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Andenken an Reinhard Lettmann

Worum geht es?

Der 2013 verstorbene ehemalige Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, ist am Kirchplatz der St.-Amandus-Kirche aufgewachsen und war Zeit seines Lebens der Pfarrei St. Amandus und der Stadt Datteln eng verbunden. Im Bistum Münster hat er in den vergangenen Jahrzehnten u.a. als Bischöflicher Generalvikar, als Weihbischof und schließlich fast drei Jahrzehnte als Bischof auf vielfältige Weise in Leitungsfunktionen Verantwortung getragen. Zum Ausdruck gekommen ist die enge Verbundenheit der Menschen in unserer Pfarrei mit Bischof Reinhard auch darin, dass unser im Jahr 2014 neu errichtetes Pfarrheim an der St.-Amandus-Kirche seinen Namen trägt. Ende letzten Jahres wurde nun bekannt, dass Reinhard Lettmann in seiner damaligen Funktion als Generalvikar damit befasst war, dass der Priester Heinz Pottbäcker, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden war, innerhalb des Bistums Münsters mehrfach versetzt wurde und weiter als Seelsorger tätig war. An mindestens einem weiteren Einsatzort ist es erneut zu Missbrauchstaten durch Pottbäcker gekommen. Der Umgang in der Kirche mit sexualisierter Gewalt betrifft uns vor diesem Hintergrund in besonderer Weise und es steht die Frage im Raum, wie wir mit dem Andenken an Reinhard Lettmann umgehen. In einem Gremium, bestehend aus Mitgliedern des Kirchenvorstands und des Pfarreirates, haben wir erste Überlegungen getroffen, wie wir uns in einem Prozess, in dem die Pfarreimitglieder eingebunden werden sollen, diesem Thema stellen.

Nähere Informationen und den aktuellen Stand der Befassung unserer Pfarrei mit dieser Thematik finden Sie auf dieser Seite.

Reinhard-Lettmann-Haus wird umbenannt

Das Pfarrheim neben der St.-Amandus-Kirche in Datteln, das bislang nach dem aus Datteln stammenden Bischof Dr. Reinhard Lettmann (+2013) benannt ist, erhält einen neuen Namen. Diesen Beschluss fasste der Kirchenvorstand der katholischen Kirchengemeinde St. Amandus Datteln in seiner Sitzung am 26.06.2019. Der Kirchenvorstand folgte damit dem Votum des Pfarreirates, der am Vortag (25.06.2019) in einer außerordentlichen öffentlichen Sitzung einstimmig die Empfehlung ausgesprochen hatte, dem Reinhard-Lettmann-Haus einen neuen Namen zu geben.

Bis zu einer endgültigen Entscheidung über einen neuen Namen trägt das ehemalige Reinhard-Lettmann-Haus ab sofort vorläufig die Bezeichnung „Pfarrheim St. Amandus“. Der bisherige Namenszug an der Gebäudefassade soll kurzfristig entfernt werden.

Der Kirchenvorstand ist das für die Gebäudeverwaltung und damit die Namensgebung zuständige Gremium. Der Pfarreirat ist das pastorale Leitungsgremium der Pfarrei.

Pfarreirat empfiehlt Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses

Über 70 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten die Sitzung.

Nach einer intensiven inhaltlichen Auseinandersetzung hat der Pfarreirat der katholischen Kirchengemeinde St. Amandus am Dienstag (25.06.2019) in einer außerordentlichen Sitzung den Beschluss gefasst, dass er dem Kirchenvorstand empfiehlt, dem Reinhard-Lettmann-Haus einen neuen Namen zu geben. Der Kirchenvorstand ist das für die Gebäudeverwaltung und damit auch die Namensgebung formell zuständige Gremium.

Über 70 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten trotz hochsommerlicher Hitze den Weg ins Reinhard-Lettmann-Haus gefunden. Viele von ihnen nutzten im Rahmen der von Dr. Björn Enno Hermans, Caritasdirektor für die Stadt Essen, moderierten Diskussion die Möglichkeit, den Mitgliedern des Pfarreirates ihre Meinung mit auf dem Weg in die Abstimmung zu geben.

Peter Frings, Interventionsbeauftragter gegen sexualisierte Gewalt des Bistums Münster, verwies in seinen Ausführungen unter anderem darauf, dass das Bistum Münster unmittelbar davorstehe, eine externe Expertenkommission mit der Untersuchung des Umgangs mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Bistum Münster seit 1945 zu beauftragen.

Nach einer – weiterhin öffentlichen – Beratung unter den Mitgliedern des Pfarreirates fasste der Pfarreirat in geheimer Abstimmung einstimmig den Beschluss, dem Kirchenvorstand zu empfehlen, dem Reinhard-Lettmann-Haus einen neuen Namen zu geben.

Der Kirchenvorstand wird auf der Grundlage dieser Empfehlung in einer seiner nächsten Sitzungen eine Entscheidung zur Namensgebung treffen.

Hintergrund für die empfohlene Umbenennung ist, dass es in den vergangenen Monaten zu einer engagiert und teils hochemotional geführten öffentlichen Diskussion gekommen ist, ob das Pfarrheim neben der St.-Amandus-Kirche umbenannt werden soll. Ende 2018 war bekannt geworden, dass der aus Datteln stammende ehemalige Bischof von Münster, Reinhard Lettmann (+2013), in seiner damaligen Funktion als Generalvikar damit befasst war, dass der Priester Heinz Pottbäcker, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden war, innerhalb des Bistums Münsters mehrfach versetzt wurde und weiter als Seelsorger tätig war. An mindestens einem weiteren Einsatzort ist es erneut zu Missbrauchstaten durch Pottbäcker gekommen.

 

Mitglieder der Arbeitsgruppe

  • Monika Bovenkerk (Kirchenvorstand)
  • Barbara Cornelius (Kirchenvorstand)
  • Stefan Feldhaus (Pfarreirat)
  • Pastor Bernhard Frankemölle (Pfarrverwalter)
  • Markus Hülshoff (Kirchenvorstand)
  • Dr. Sebastian Speckbrock (Pfarreirat)

Zeitlicher Ablauf und aktueller Stand

  • Am 28.06.2019 wurde der Schriftzug "Reinhard-Lettmann-Haus" von der Fassade entfernt.
  • In der Sitzung der zuständigen Arbeitsgruppe am 20.05.2019 wurde über das weitere Vorgehen beraten und beschlossen, dass es eine außerordentliche Sitzung des Pfarreirates geben soll, in der eine Empfehlung an den Kirchenvorstand ausgesprochen werden soll. Hierbei sollen sich Interessierte äußern können. Anschließend soll der Pfarreirat beraten und ein Votum fassen.
  • Am 02.05.2019 fand eine gemeinsame Sitzung von Kirchenvorstand und Pfarreirat statt, bei der es um den Umgang mit dem Andenken an den verstorbenen Bischof Reinhard Lettmann und eine mögliche Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses ging. Die Arbeitssitzung, an der auch Herr Dr. Klaus Winterkamp (Generalvikar des Bistums Münster und Vertreter von Bischof Dr. Felix Genn) und Herr Karl Render (Personaldezernent des Bistums Münster) teilnahmen, diente der Information über die bekannten Fakten und einem ersten intensiveren Gedankenaustausch innerhalb der Gremien. Über das weitere Vorgehen sollte anschließend zunächst in der zuständigen Arbeitsgruppe sowie im Kirchenvorstand und im Pfarreirat beraten werden. Einen Bericht mit Fotos zu dieser Veranstaltung finden Sie unter https://www.st-amandus-datteln.de/aktuelles-nachricht-lesen/austausch-der-gremien-der-pfarrei-st-amandus-zum-andenken-an-bischof-reinhard-lettmann.html
  • Am 13.03.2019 fand die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe zum Umgang der Pfarrei mit dem Andenken an Reinhard Lettmann stattgefunden. Anstelle unseres leider verstorbenen Pfarrers Ludger Schneider hat Pastor Bernhard Frankemölle in seiner Funktion als Pfarrverwalter an der Sitzung teilgenommen. Ebenfalls erstmals teilgenommen hat Dr. Björn Enno Hermans, Vorstand/Caritasdirektor des Caritasverbandes für die Stadt Essen e.V., der sich bereit erklärt hat, uns als externer Moderator zu unterstützen. In der Sitzung wurde besprochen, dass Anfang Mai 2019 eine gemeinsame Sitzung des Kirchenvorstands und des Pfarreirates stattfinden soll, bei der es um den Umgang mit dem Andenken an Bischof Reinhard und eine mögliche Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses gehen wird. Nach der gemeinsamen Sitzung der Gremien wird es eine Veranstaltung mit der Gemeinde und der Öffentlichkeit geben. Bei dieser wird es sich voraussichtlich um eine Podiumsdiskussion handeln, in dessen Verlauf eine Beteiligung des Publikums ermöglicht wird. Eine Zusammenstellung der verfügbaren Informationen und erste Anfragen an mögliche Referenten erfolgen in den nächsten Wochen.
  • Am 12.02.2019 fand das zweite Treffen der Arbeitsgruppe statt. Bei der Festlegung des Termins war weder bekannt noch absehbar, dass am Vortag ein Artikel in der Dattelner Morgenpost zu der Thematik erscheinen würde. In der Sitzung wurde weiter an dem Konzept der inhaltlichen Befassung gearbeitet.
  • Am Wochenende 02./03.02.2019 wurde als weiteres Ergebnis der Arbeitsgruppe ein Informationstext im Wochenbrief der Pfarrei sowie in der Kirchenzeitung „Kirche + Leben“ veröffentlicht, der hierauf hinwies. Der Text ist als Anlage 1 beigefügt.
  • Im Januar 2019 hat sich die Arbeitsgruppe, der neben Pfarrer Ludger Schneider drei Mitglieder des Kirchenvorstands (Monika Bovenkerk, Barbara Cornelius, Markus Hülshoff) und zwei Mitglieder des Pfarreirats (Stefan Feldhaus, Dr. Sebastian Speckbrock) angehören, erstmals getroffen. In dieser Sitzung wurde beschlossen, dass eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik für die gesamte Pfarrei ermöglicht werden soll, in deren Zuge auch die Frage der Namensgebung des Reinhard-Lettmann-Hauses thematisiert werden soll.
  • Im Dezember 2018 haben sich sowohl der Pfarreirat als auch der Kirchenvorstand in ihren Sitzungen mit dieser Frage befasst. Ebenfalls im Dezember 2018 wurde beschlossen, dass eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Gremien eingesetzt werden soll.
  • In den folgenden Wochen sind den Verantwortlichen der Pfarrei einzelne Stimmen aus der Gemeinde bekannt geworden, die eine Überprüfung des Umgangs mit dem Andenken an Reinhard Lettmann in unserer Pfarrei gefordert haben. Die Frage des Namens des nach ihm benannten Pfarrheims spielte hierbei eine Rolle, war jedoch nicht der einzige Anknüpfungspunkt.
  • Im November 2018 wurde bekannt, dass Reinhard Lettmann in seiner damaligen Funktion als Generalvikar damit befasst war, dass der Priester Heinz Pottbäcker, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden war, innerhalb des Bistums Münsters mehrfach versetzt wurde und weiter als Seelsorger tätig war. An mindestens einem weiteren Einsatzort ist es erneut zu Missbrauchstaten durch Pottbäcker gekommen.

Erklärung vom 16.02.2019

Erklärung aus Anlass der Berichterstattung zu einer möglichen Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses

In der vergangenen Woche wurde der Umgang der Pfarrei St. Amandus mit dem Andenken an den verstorbenen Bischof Dr. Reinhard Lettmann, der aus unserer Pfarrei stammt, in der Dattelner Morgenpost sowie auf Facebook in verschiedenen Berichten, Kommentaren und Leserbriefen thematisiert. Von zentraler Bedeutung war nahezu immer die Frage, ob das Reinhard-Lettmann-Haus, unser Pfarrheim an der St.-Amandus-Kirche, umbenannt werden soll.

Hintergrund hierfür ist, dass Reinhard Lettmann in seiner damaligen Funktion als Generalvikar damit befasst war, dass der Priester Heinz Pottbäcker, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden war, innerhalb des Bistums Münsters mehrfach versetzt wurde und weiter als Seelsorger tätig war. An mindestens einem weiteren Einsatzort ist es erneut zu Missbrauchstaten durch Pottbäcker gekommen.
Die engagiert und teils hochemotional geführte öffentliche Diskussion gibt uns Anlass zu folgenden Erläuterungen:

  • Bestürzt und geschockt im Hinblick auf das Fehlverhalten von Reinhard Lettmann und dessen Folgen haben wir uns mit Blick auf die Opfer gefragt, wie wir mit dem Andenken an den in Datteln geborenen Bischof umgehen sollen.
  • Dass die Frage gestellt wird, wie die Pfarrei zur Namensgebung des Reinhard-Lettmann-Hauses steht, ist für uns nachvollziehbar. Auch wir fragen uns, ob eine Umbenennung erfolgen soll. Ebenso halten wir die konkrete Forderung, das Pfarrheim umzubenennen für vollkommen legitim. Es gibt jedoch auch Menschen, die hierzu eine andere Auffassung haben, die diese aber in diesen Tagen weniger deutlich oder überhaupt nicht äußern. Dies lässt sich auch der von der Dattelner Morgenpost gestarteten (nicht repräsentativen) Umfrage auf Facebook entnehmen, bei der immerhin 22 % der Umfrageteilnehmer für eine Beibehaltung des Namens gestimmt haben.
  • Ob eine Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses erfolgt, soll nicht vor, sondern nach einer inhaltlichen Auseinandersetzung entschieden werden. Diese Entscheidung soll nach derzeitigen Überlegungen nicht allein von dem formell zuständigen Kirchenvorstand getroffen werden, sondern unter Beteiligung der Gemeinde. Wie diese Beteiligung erfolgen soll, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Eine von manchen Stimmen geforderte „schnelle“ Umbenennung greift unseres Erachtens zu kurz. Eine bloße Umbenennung ohne eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre reine Symbolpolitik.
  • In den verantwortlichen Gremien der Pfarrei wurde nach Bekanntwerden dieser Vorgänge Ende 2018 ein intensiver Auseinandersetzungsprozess begonnen. Der möglicherweise in den vergangenen Tagen entstandene Eindruck, die Pfarrei St. Amandus sei untätig geblieben, ist nicht zutreffend. Nähere Angaben hierzu können Sie der Zusammenstellung der zeitlichen Abläufe (Anlage 2) entnehmen.
  • Es ist eine öffentliche Veranstaltung mit einem oder mehreren Referenten in Planung, bei der auch die Möglichkeit für Fragen gegeben werden soll. Zum jetzigen Zeitpunkt steht weder der genaue Tag fest, noch die Person des/der Referenten, noch das exakte Veranstaltungsformat, noch der genaue Titel der Veranstaltung. Entsprechend kann hierzu auch (noch) nichts Näheres mitgeteilt werden.
  • Dass Kinder und andere Schutzbedürftige sexuelle, körperliche oder auch psychische Gewalt erfahren, ist eine traurige gesellschaftliche Realität, der wir versuchen, in unserer Pfarrei sachgerecht zu begegnen. Es ist eines der zentralen Anliegen des Institutionellen Schutzkonzepts (ISK), das Bewusstsein hierfür bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in unserer Pfarrei mit Kindern zu tun haben, zu schärfen und ihnen Handlungsempfehlungen und Ansprechpartner für Verdachtsfälle an die Hand zu geben. Seit Ende 2017 wurde das ISK in unserer Pfarrei erarbeitet und am 14.02.2019 der – trotz der aktuellen Debatte leider nur sehr spärlich erschienenen – Öffentlichkeit vorgestellt. An der Erarbeitung waren Vertreter sämtlicher Gruppen und Einrichtungen unserer Pfarrei beteiligt, die Umgang mit Kindern haben (z.B. aus den Kindertagesstätten, von den Ferienfreizeiten und den Messdienern). Wir glauben, dass wir mit dem ISK einen wichtigen Schritt zum Schutz der uns anvertrauten Kinder unternommen haben. Der Volltext des ISK wird in Kürze auf der Homepage der Pfarrei veröffentlicht werden. Ein Informationsflyer für diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in unserer Pfarrei Umgang mit Kindern haben, wird derzeit erstellt.
  • Wenn Dritte, die Veranstaltungen in unseren Räumlichkeiten durchführen, z.B. die IGBCE Ortsgruppe Datteln ihre Jubilarehrung oder die Fa. Deilmann ihre Lesung von Frau Dunja Hayali, aufgrund der Namensgebung des Hauses ihre geplanten Veranstaltungen verlegen oder dies in Erwägung ziehen, so bedauern wird dies, werben jedoch – gerade auch mit den hier gegebenen Erläuterungen – um Verständnis für unsere Vorgehensweise.

Im Anhang dieser Erklärung finden Sie den bereits am 02./03.02.2019 im Wochenbrief und in der Kirchenzeitung „Kirche + Leben“ veröffentlichten Informationstext (Anlage 1) sowie eine Zusammenstellung der zeitlichen Abläufe (Anlage 2).


Für die zuständige Arbeitsgruppe:
Pfarrer Ludger Schneider
Dr. Sebastian Speckbrock

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