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24.02.2024: Weihnachtsblitzer in der Fastenzeit

In seine Lieb versenken
will ich mich ganz hinab ...

Diese Worte aus dem Weihnachtslied "Zu Betlehem geboren" schossen mir plötzlich im Laufe dieser Woche zum Ende eines Gottesdienstes durch den Kopf ... verbunden mit der Frage: Geht es letztlich nicht genau darum in der Fastenzeit? Näher zu Gott hinzufinden, sich tiefer in die Liebe Jesu zu versenken?

Beim christlichen Verständnis des Fastens geht es um mehr als nur das ein oder andere Kilo weniger auf der Waage: Das Fasten lädt ein, Frei-Räume zu schaffen für die dreifaltige Lebensfülle Gottes.

Dann wird es tatsächlich weihnachtlich, mitten in der Fastenzeit.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

18.02.2024: Zurückgelassener Hirte

Die Krippe ist längst abgebaut, die Elemente sind verstaut, nur er ist zurückgeblieben: Der ältere Hirte, unlängst noch anbetend und staunend vor dem göttlichen Kind, wird zum Beobachter unseres alltäglichen Treibens. Dabei wirkt er zunächst einmal so gar nicht "von allen verlassen", vielmehr in sich ruhend und durchaus aufmerksam.

Von der Krippe kommend, wie muss es aber auf ihn wirken, wenn er immer wieder hört ...
... von Kriegen und tiefsitzendem, unversöhnlichem Hass?
... vom Erstarken rechtsextremer Parteien und vom Antisemitismus?
... von einer Kurzsichtigkeit und Geschichtsvergessenheit, die kirchlich ignoriert, dass "nicht immer alles so war" und es durchaus Brüche in kirchlicher Lehre gab (Veränderungen sind also möglich!), und gesellschaftlich ignoriert, dass wir die Erinnerungen an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte, den Holocaust, nicht einfach abschütteln und hinter uns lassen können?

Wie muss all das auf ihn wirken, der noch kürzlich anbetend an der Krippe des Kindes stand, das uns als Heiland und Retter geboren wurde? Vielleicht gibt seine Haltung, gibt sein Gesichtsausdruck eine Antwort:
Seid wachsam und aufmerksam!
Bleibt neugierig!
Bewahrt in eurem Herzen die gute Nachricht: Der Retter ist geboren!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

14.02.2024: ValentinsAschermittwochsTag

Den Tag über wird es immer mal wieder erwähnt: Heute fallen der Aschermittwoch und der Valentinstag zusammen. Eine unmögliche Kombination? Ganz im Gegenteil, das passt! So könnte z.B. das Gebet zur Segnung der Asche in den Gottesdiensten ganz im Zeichen der Liebe - der Liebesgschichte zwischen Gott und Menschen - stehen:

Guter Gott,
du schenkst uns die Tage der Österlichen Bußzeit
als Einladung, dir näher zu kommen
und in der Begegnung mit dir uns selbst
durch deine Augen neu sehen zu können.
So können wir entdecken, wer wir sind,
wie du uns gewollt hast
und was du in uns hineingelegt hast.
Lass die Asche ein Zeichen
der Umkehr und der Buße sein,
aber auch ein Zeichen des Neuanfangs,
der uns ermöglicht wird
durch die bedingungslose, nie auszuschöpfende Liebe,

die du uns gezeigt hast in Jesus Christus.

Einen guten Start in die Fasten- bzw. Österliche Bußzeit wünscht

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

11.02.2024: (K)Ein Zurück ins alte Leben

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein.
(Mk 1,40-42, aus dem Sonntagsevangelium)

Der Mann ist wieder rein.
Er kann zurück in sein altes Leben.

Kann er zurück in sein altes Leben?

Was findet er vor, wenn er heimkehrt?
Ist da noch eine Leerstelle,
unverändert,
die er wieder besetzen kann?

Geht das überhaupt:
Nahtlos zurückkehren in das alte Leben,
als sei nichts gewesen,
als sei er nie weggewesen?

Der Mann ist wieder rein.
Nun gilt es den Platz zu finden
in einem veränderten Leben,
in einem Leben nach dem Wunder.

Das Leben nach einem Wunder:
Es bleibt stets Aufgabe und Auftrag.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

04.02.2024: Schafe und Wölfe

Auf die Bitte hin, ob ich noch eine Lücke im aktuellen Wochenbrief füllen könnte, schrieb ich die folgenden Zeilen:

Im Karneval träumt manches Schaf davon,
(wenigstens für eine kurze Zeit)
zu einem Wolf zu werden.
  Es gibt aber auch Wölfe
  in der Verkleidung von Schafen …
Ihre Verkleidung dient der
Verschleierung wahrer Absichten
  Ihre Verkleidung ist kein harmloser Karnevalsspaß –
  und sie endet auch nicht mit dem Aschermittwoch.

Der Karneval ermöglicht es den Menschen, in eine andere Haut zu schlüpfen, für eine gewisse Zeit "wilder" und ausgelassener zu sein, feiernd aus dem Alltagskorsett auszusteigen ... vorübergehend. Andere aber verbergen dauerhaft ihr wahres Gesicht, geben sich gutbürgerlich, gemäßigt - und planen hinter verschlossenen Türen den großen Schlag gegen jene, die ihnen nicht passen: Wölfe im Schafspelz. Sie lauern - immer ungeduldiger, immer offensichtlicher - darauf, dass ihre Stunde kommt.

Nachträglich kam mir zum obigen "Füllertext" für den Wochenbrief aber noch ein weiterer Gedanke: Was passiert mit Schafen, die sich dauerhaft in der Rolle von Wölfen wiederfinden? Ich musste z.B. an die Zeit des Dritten Reichs denken: Viele Menschen haben während des Nazi-Regimes grausame Handlungen vollzogen - und sich später damit herausreden wollen, dass sie nur Befehle befolgt hätten ...

Wie viel Schaf steckt in uns - und wie viel Wolf?

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

27.01.2024: Psalm der Farben

Ich hatte in der vergangenen Woche im Laufe eines Besinnungstages die Gelegenheit, den folgenden Psalm zu schreiben (der in Teilen auch als Redebeitrag bei der heutigen "Demo gegen Rechts" in Datteln Verwendung fand):

PSALM DER FARBEN
Gott, zugewandt, schöpferisch und phantasievoll,
du webst Leuchtspuren in unser Leben,
  du bringst Farbe,
  wo sonst graue Alltäglichkeit das Wort führt.
Du tupfst das Bunte hinein, mit feiner Feder,
scheust aber auch nicht den breiten Pinsel
und die Farbigkeit des Regenbogens.
  Du überraschst, machst uns sprachlos,
  überwältigst mit der leuchtenden Farbenfülle.
Uns fehlen die Worte, wenn die Welt ins Schwarz-Weiß versinkt,
du verschlägst uns die Sprache,
wo du uns die Vielfalt des Lebens erahnen lässt,
  gefährlich ungebändigt, gefährlich unberechenbar,
  gefährlich lebendig, gefährlich ohne Netz und doppelten Boden,
du allein bist es, der Halt bietet
und dem wir doch nur glauben können,
  weil wir dich nicht wissen können,
  auch wenn wir es vorgeben zu tun.
Du, Gott des Lichts, Gott der Farben,
du, Gott der Liebe, Gott meines Lebens.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

21.01.2024: Geschlossenheit gegen Rechts

Es passiert etwas in unserem Land: Vielerorts demonstrieren Tausende und Zehntausende Menschen und erheben die Stimme gegen rechte Strömungen in unserer Gesellschaft. Am nächsten Samstag gilt auch in unserer Stadt: "Datteln gegen Rechts!" Und auch die Kirchen machen mit ...

Denn es geht um die Art und Weise, wie wir Menschen einander begegnen ... wie wir miteinander und übereinander sprechen ... in welcher Haltung wir uns gegenüber treten ... Es ist ja die große Verantwortung aller, die sich öffentlich äußern, sich immer wieder der Wirkung ihrer Worte bewusst zu sein: Worte können einen Wandel herbeiführen, können Handeln vorwegnehmen, im Guten wie im Bösen.

Als Christenmenschen sind wir eingeladen ... nein, aufgefordert, immer wieder den Blick auf Jesus Christus zu richten und an ihm Orientierung zu finden. Das ist beileibe nicht immer einfach, es ist manchmal kompliziert - und ich finde mich immer wieder in Situationen wieder, wo ich das Gefühl habe, dass ich - egal, was ich tue - seinem Vorbild nicht gerecht werden kann. Aber er bleibt der Maßstab, bleibt der Fixpunkt ...

Auch darum gehen wir, als Kirchen, am Samstag in Datteln mit.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

14.01.2024: "Remigration": Ist das euer Ernst?

Es soll später niemand sagen, „man“ habe es nicht gewusst: Rechte Netzwerker treffen sich, um Pläne für die Abschiebung von Millionen Menschen aus diesem Land zu besprechen, auch von Menschen, die hier geboren sind, aber nicht für ausreichend „deutsch“ angesehen werden.

Es soll später niemand sagen, „man“ hätte es (wieder) nicht gewusst … oder „man“ hätte es (wieder) nicht ahnen können … oder „man“ hätte (wieder) gedacht, dass es so schlimm schon nicht kommen werde.

Als Christ – und auch als Priester – lebe ich nicht im luftleeren Raum: Ich bejahe die Demokratie, in der wir leben. Ich sehe mit Sorge, wie Menschen sie untergraben und vor wenigen Jahren noch Unsagbares, Undenkbares erneut Raum gewinnt. Und wie vielerorts in der Welt stilisieren sich jene, die diese Verrohung und Unmenschlichkeit vorantreiben, stets als Opfer, wenn ihnen widersprochen wird …

In einer Demokratie gilt:
Wer die Wahl hat …
Wer nicht wählt …
Wer „protestwählend" mit dem Feuer spielt …
Wer unwidersprochen geschehen und laufen lässt …
… trägt Verantwortung für die Folgen.

Das mag eine unbequeme Erkenntnis sein, aber Freiheit ist stets mit Verantwortung verbunden. Das gilt auch insgesamt für uns Menschen, die Gott als seine Geschöpfe in die Freiheit entlassen hat … Aus dieser Verantwortung braucht es energischen Widerspruch, wo immer die Würde von Menschen verletzt oder bedroht wird.

Die oben genannten Rechten Netzwerker und andere mit ihnen verletzen und bedrohen sehr konkret die Würde von Menschen. Ihnen ist energisch - mit den Mitteln unseres Rechtsstaates - Widerstand zu leisten!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

07.01.2024: Der Flug der guten Wünsche

Stellen Sie sich vor, in dem beigefügten Bild der fliegenden Möwenschar würden sich die vielen guten Wünsche und Segenswünsche abbilden, die wir einander zum Jahreswechsel zukommen lassen. Wenn man überlegt, wie oft allein die Sternsingerscharen hierzulande ihre Segenslieder gesungen und Segensworte gesprochen haben ... Wir werden diese Art von Rückenwind auch in dem vor uns liegenden Jahr wieder gut brauchen können, damit wir hin und wieder alle bleierne Schwere, alle Sorgen ablegen und den Himmel über uns offen sehen können.

Vogelschwärme wirken bisweilen wie ein einziges Durcheinander, doch liegt dem eine ausgezeichnet aufeinander abgestimmte Schwarmdynamik zugrunde. Vielleicht können wir uns davon etwas abschauen, in Kirche und Gesellschaft:

Koordiniert ...
miteinander ...
mit Rücksicht aufeinander ...
und dennoch dynamisch ...
unterwegs sein zu können.

Dazu wünsche ich uns allen Gottes Segen!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.12.2023: Zum Weihnachtsfest 2023

... Gottes reichen Segen wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

16.12.2023: Noch unterwegs ...

Wir sind noch nicht angekommen.
Es bleibt ein Stück Weg vor uns.

Wir sind vorbereitet. Wir planen.
Trotzdem wartet womöglich Unerwartetes, Unbekanntes, werden Pläne durchkreuzt, gibt es Gefährdungen oder unerwartete Begegnungen und Freuden ...
Ab wann drängt die Zeit?

Sitzen- oder Stehenbleiben ist keine Option:
Nach der Rast gehen wir weiter ... dem Fest entgegen, der Begegnung mit dem Herrn.

Zugleich ist auch er unterwegs.
Uns entgegenkommend.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.12.2023: Habt Erbarmen ...

Vor einigen Tagen sah ich einmal mehr ein altes Ankündigungsplakat, mit dem für eine Veranstaltung zur Vorbereitung / Einstimmung auf den Advent geworben wurde: Eine Zeit der Vorbereitung auf die Zeit der Vorbereitung also …

Ohnehin sahen ja wieder Menschen dem 1. Advent mit dem Gedanken entgegen, dieses oder jenes unbedingt erledigen zu müssen, damit Häuser oder Wohnungen rechtzeitig festlich geschmückt sind. Gegen den Schmuck habe ich nichts – und ich erlebe, wie leuchtende Weihnachtsbäume derzeit Balsam für viele Seelen sind … Doch mir tut es leid, wenn Menschen sich deshalb stressen oder sich Stress machen lassen. Häufig fühlen wir uns auch Traditionen verpflichtet, die wir nicht hinterfragen oder aufgeben mögen. Ruhiger und gelassener macht uns das nicht!

In diesem Advent verspüre ich immer wieder den Wunsch, den Menschen aus unterschiedlichen Gründen zuzurufen: „Um Gottes Willen, habt doch Erbarmen … mit euch selbst!“

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

03.12.2023: Er ist auch noch da

Wie wäre es mit einer Pause? fragt Gott und hält mir eine Tasse Kaffee hin.

Das ist nett, sage ich, aber der Advent hat begonnen.

Eben drum, sagt Gott.

Du stellst dir das so einfach vor, sage ich. Hast du eine Ahnung, was da alles zu tun ist?

Das mich mal jemand fragt, ob ich wohl eine Ahnung habe, schmunzelt Gott.

Hast du nichts Wichtigeres zu tun? frage ich zweifelnd.

Bist aber du nicht gerade mein Nächster? fragt Gott zurück.

Ich nehme die Kaffeetasse, die er mir immer noch hartnäckig hinhält, und trinke einen Schluck.

Geht doch, sagt Gott, einfach mal loslassen, zur Ruhe kommen.

Wir Menschen stecken eben voller kreativer Unruhe, halte ich dagegen – und füge etwas frech hinzu: Das haben wir schließlich von dir.

Komm mir nicht so, sagt Gott und schaut aus dem Fenster. Dabei wirkt er fast schon traurig. Am liebsten würde ich ihn tröstend in den Arm nehmen.

Nicht nötig, sagt Gott und seufzt. Macht euch nicht so viel Druck. Ich bin da, oft direkt vor eurer Nase. Weihnachten falle ich euch sogar förmlich in den Schoß.

Dein Wort in unser Ohr, sage ich leise.

Auf eine gesegnete Adventszeit, sagt Gott, und gelegentliche Kaffeepausen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

Kontakt

Pfarrbüro St. Amandus
Kirchstraße 25, 45711 Datteln
Tel.:   02363/5652-0
Fax:    02363/5652-21
E-Mail: stamandusdatteln(at)bistum-muenster.de

Öffnungszeiten des Pfarrbüros:

Montag 9:00-12:00 15:00-17:00
Dienstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Mittwoch 9:00-12:00  
Donnerstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Freitag 9:00-12:00  

Im Notfall

Sollten Sie in einem dringenden Fall (Krankensalbung, Sterbefall) einen Seelsorger benötigen, können Sie sich an die Pforte des Krankenhauses (Tel.: 02363/108-0) wenden, die Sie an einen Priester weitervermitteln kann.

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