10.05.2026: Bankrücker
„Leer-raum“ ist „Spiel-raum“: Das gilt für den Bank-freien Bereich des Alten Turms in der Amanduskirche, der z.B. in diesem und im vergangenen Jahr für die Durchführung der Erstkommunionkatechese genutzt wurde. Es schön, in einer Kirche diesen freien „Spiel-raum“ zu haben.
Mit Blick auf die Erstkommunionen, die sich häufig durch sehr gut besuchte Feiern auszeichnen, haben wir aktuell durch die Entnahme von Kirchenbänken weitere „Leer-räume“ geschaffen, die Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen einen Platz bieten sollen.
Der Pfarreirat wird das Thema „Kirchenraumgestaltung“ weiter verfolgen, wenn es auch manchmal nur langsam vorangeht. Und vielleicht werden am Ende ja nicht nur Bänke bewegt, sondern bewegt sich auch Gemeinde, um den Kirchenraum zu einem Ort zu machen, an dem gottesdienstliche Gemeinschaft lebendig und erfahrbar wird.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
01.05.2026: Scheinwerfer auf den Arbeiter
Mit viel Sonnenschein hat der Wonnemonat Mai begonnen. Vielerorts wird er auch als Marienmonat bezeichnet, verbunden mit der Feier von Maiandachten. Den Anfang aber macht am 1. Mai – dem Tag der Arbeit – das Gedenken an den heiligen Josef den Arbeiter. Das ist mir ein mehr als sympathischer Gedenktag, der einen Arbeiter in den Mittelpunkt stellt. Josef, der Ehemann Marias, ist eine der biblischen Figuren, die sang- und klanglos von der Bühne abtreten, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Doch es ist davon auszugehen, dass der heranwachsende Jesus Augenzeuge der Arbeit des Zimmermanns Josef gewesen ist und womöglich auch ein mitarbeitender Gehilfe – und es wird nicht ohne Einfluss auf ihn geblieben sein.
Der Marienmonat hat begonnen … doch der 1. Tag gibt Josef, dem handwerkenden Ehemann der Maria, die Ehre, einem Arbeiter am Tag der Arbeit.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
25.04.2026: Stimm-Übungen
In der vergangenen Woche erlebte ich unter anderem …
… zwei im vergangenen Jahr geborene Kinder, die mit großer Lust ihr Stimmvermögen entdeckten und ausprobierten, von einem tiefen Brummen bis in die hohen Töne hinein. Schade, dass wir uns als Erwachsene nicht mehr daran erinnern können, wie es war, als wir erlebten und lernten, was wir alles können, auch mit unserer Stimme.
… eine Erstklässlerin, die mir nach einem Klassengottesdienst eine beeindruckende Frage stellte, deren Worte zunächst aber nicht mit ihrem komplexen Gedankengang Schritt halten konnten, so dass sie aufregt nach der richtigen Formulierung suchte.
Es sind solche Momente, die große Lebensfreude mit sich bringen und haften bleiben – und mich sagen lassen: Gott sei Dank!
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
18.04.2026: Piepen im Gottesdienst
Die vergangene Woche war wieder abwechslungsreich. Manches bleibt haften, geht weiter mit, Trauriges, aber auch Schönes.
Zu letzterem zähle ich einen der Klassengottesdienste in der Lohschule: Am Freitag, als ich zu Gast in einer Klasse war, hatte jemand – für diesen einen Tag – zwei Küken mitgebracht. Und als wir den Gottesdienst feierten, piepten sie im Hintergrund mit.
Das verlieh unserer Feier eine zusätzliche und schöne österliche Note.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
11.04.2026: Glückwunsch
Am vergangenen Freitag feierten die Vestischen Caritas-Kliniken in St. Amandus einen festlichen Gottesdienst mit Weihbischof em. Dieter Geerlings anlässlich ihres 450-jähriges Jubiläums (450: die Gesamtjahreszahl aller dazugehörigen Einrichtungen). Auch als Kirchengemeinde – und zugleich Gesellschafterin der Vestischen Caritas-Kliniken – gratulieren wir herzlich und wünschen den Mitgliedern des Aufsichtsrates sowie den Geschäftsführern der Einrichtungen weiterhin ein gutes Navigieren in den unwägbaren Gewässern des Gesundheitswesens!
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle aber an alle Mitarbeiter*innen, die in der Vielfalt der Berufe, die sich unter dem Dach der Vestischen Caritas-Kliniken versammeln, ihren bestmöglichen Beitrag zum Wohl der Patient*innen leisten.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
05.04.2026: Ostergruß
"Es ist vollbracht.“
So lauten die letzten Worte des gekreuzigten Jesus (Joh 19,30).
Was werden die ersten Worte des auferstandenen Jesus gewesen sein?
Waren es die Worte an seine Freundinnen und Freunde?
„Habt keine Angst. Fürchtet euch nicht.
Der Friede sei mit euch.“
Oder werden seine letzten auch die ersten Worte gewesen sein,
Worte hineingesprochen in die aufsteigende Morgenröte?
„Es ist vollbracht.“
Es ist vollbracht: Nicht länger hat der Tod, sondern hat das
Leben – und hat Gott selbst – das letzte Wort. Halleluja!
Ein gesegnetes Osterfest 2026 wünscht
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
04.04.2026: Keine Zeit
Der Karsamstag ist ein Tag im Schwebezustand, der Tag, in dem sich „nicht mehr“ und „noch nicht“ verbinden.
Oft bleibt uns für diesen Tag der Grabesstille keine Zeit, weil wir ihn mit Ostervorbereitungen füllen.
Ich wünsche Ihnen heute aber kleine Wüsten(aus)zeiten, Zeiten der „Lange Weile“ … um später dann die Freude des Osterfestes auskosten zu können.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
03.04.2026: Weil sie gerade schweigt ...
… fällt ihr Fehlen besonders auf: Die Orgel. Erst in der Osternacht wird sie wieder zu hören sein, brausend, machtvoll, zum Gloria durch den Kantor zum Leben erweckt.
Für die Zwischenzeit lohnt sich für Interessierte ein Blick in eine Dokumentation auf ARTE: „Der Spirit der Orgel“ (verfügbar bis zum 20.04.2026). Zwei Sätze aus dieser Dokumentation:
„Der Geist der Orgel befindet sich zwischen Himmel und Erde.“
„Der ganze Raum ist das Instrument.“
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
02.04.2026: Warum nicht?
Ich bin gerade über die beiden Gummi-Enten „gestolpert“, die ich spontan so nebeneinander positioniert habe, als führten sie ein Gespräch.
Vielleicht sagt das Gummienten-Teufelchen gerade: „Warum? Das kann ich mir nicht vorstellen. Das übersteigt meine Phantasie.“
Aber das Gummienten-Engelchen bleibt dran: „Warum nicht?“
Und mit diesen Worten hänge ich womöglich bereits in der Predigt heute Abend zum Gründonnerstag: „Warum?“ – „Warum nicht?“ (aber ohne Gummienten …).
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
01.04.2026: April, April!
Heute ist der 1. April, der Tag der Aprilscherze und Lügengeschichten. Manche Lügenbarone sind aber das ganze Jahr hindurch tätig. Sie finden sich auch in mächtigen Positionen – und unklar bleibt, ob sie am Ende nicht ihre eigenen Lügen glauben, die sie so oft wiederholt haben.
Oft fragen wir uns: Wem kann man Glauben schenken?
Insbesondere in diesen Tagen feiern viele Menschen, dass sie Gott Glauben schenken … den Worten Jesu Glauben schenken … den Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung Jesu Glauben schenken … Sie wagen vertrauensvoll Glauben.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
31.03.2026: Neu, ungewohnt, abgelehnt
Nicht nur aus Böswilligkeit haben Menschen Jesus abgelehnt: Da werden jene gewesen sein, die sich in ihrem Glauben durch ihn und seine Botschaft ernsthaft verletzt gefühlt haben. Das Neue, Ungewohnte an ihm hat sie keinen Zugang finden lassen.
Ich denke an die Kirche: An die Rolle der Frauen ... an gleichgeschlechtliche Paare ... an queere Menschen … an Klerikalismus ... Was muss in der Kirche neu werden, auch wenn es zunächst ungewohnt ist? Wo muss Österliches – neues Leben – aufbrechen?
Ostern fordert heraus.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
30.03.2026: Unbegangen
In der vergangenen Woche war ich zum wiederholten (und wohl letzten) Mal zu Besinnungstagen auf der kleinen Insel Baltrum, wo man in der Regel „bald rum“ ist. Dennoch habe ich einige bislang von mir unbegangene Wege gefunden.
Ähnlich wird es mir möglicherweise auch in der Feier der 3 Heiligen Tage (Gründonnerstag, Karfreitag, Osternacht) ergehen: Es könnte sich – bei aller Vertrautheit – Neues, bislang Unbegangenes und Unbedachtes auftun …
Ich bin gespannt.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
28.03.2026: (Möglichst) Gute Worte
Der französische Schriftsteller Christian Bobin schreibt in einem seiner Bücher, dass diejenigen, die berufsmäßig zu den Menschen von Gott sprechen, häufig weniger Anmut hätten als die frühe Lerche, die aus ihrem Blau hervorbricht.
Zu Beginn der Kar- und Ostertage wünsche ich Ihnen, dass Sie in den Gottesdiensten dieser kommenden Woche nicht nur Worte wie altes, trockenes Brot vorfinden, sondern immer wieder auch solche Worte, in denen Sie sich und das Leben wiederfinden und die von Momenten künden, in denen sich Himmel und Erde berühren und etwas aus dem Blau des Himmels hervorbricht …
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
P.S.: Ich werde versuchen, in den Tagen bis Ostern häufiger ein Geistliches Wort zu veröffentlichen. Schauen Sie also immer mal wieder hier vorbei!