30.11.2025: Macht hoch die Tür
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“, so singen wir im Advent, wie auch: „meins Herzens Tür dir offen ist“.
Vielfach zeigt sich die umgekehrte Tendenz: Herzen werden eng(er), Grenzen werden geschlossen, Patriotismus, Nationalismus und damit verbunden auch Abgrenzung nehmen zu. Das vor einigen Monaten noch als Aufreger taugende Wort „Remigration“ bleibt im Sprachgebrauch (siehe die neu gegründete AfD-Jugendorganisation: Werden wir eine körperertüchtigte deutsche Jugend demnächst also als Spargelstecher auf den Feldern, als Paketdienstfahrer und in den Fleischfabriken erleben?).
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“:
Häufig genug berufen sich die oben genannten Strömungen darauf, christliche Werte und Traditionen zu verteidigen. Doch wo die Herzen eng werden und der Schritt vom Patriotismus und Nationalismus hin zum „Wir sind besser als der Rest der Welt“ nur ein kleiner ist, da macht man auch den „Herrn der Herrlichkeit“ kleinlich und engherzig. Das entspricht aber nicht jenem Gott, der sich den Menschen so menschlich in Jesus Christus zuneigt und der die ganze Schöpfung erlösen wird … Was wiederum „die ganze Schöpfung“ bedeutet, das erschließt sich bei einem staunenden Blick in klarer Nacht in den weiten Sternenhimmel. Wie klein ist dagegen häufig unser Denken!
Sorgen wir darum in dieser adventlichen Zeit dafür, dass „meins Herzens Tür dir offen ist“ – und bleibt.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
22.11.2025: Wasser des Lebens
„Unfassbar“, so lautet die Überschrift zur diesjährigen Lichtinstallation in St. Amandus (21. & 22. November). Und unfassbar sprudelt dort auch das „Wasser des Lebens“ (s. Foto), nicht aufzufangen, nicht festzuhalten. Es sprudelt …
Ich sehe es. Ich staune.
Und ich denke an die vielen Menschen, deren Leben wie erstarrt ist, nicht länger fließend … Menschen, die mit einer schlimmen Krankheitsdiagnose kämpfen … Menschen, die durch ein Trauma wie gelähmt sind … Menschen, denen ihr Alter zu schaffen macht und die des Lebens müde sind … Menschen, die unglücklich verliebt sind oder deren Beziehung zerbrochen ist … Menschen, die mitfühlend Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben …
Ich denke an sie und wünsche ihnen, dass sich Erstarrungen lösen können, dass der Fluss des Lebens sie weiter trägt und weiterträgt und dass sie trotz allem „von guten Mächten wunderbar geborgen“ sind.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
15.11.2025: (Zu) Große Worte?
Am 12. November gedachte die Kirche des heiligen Bischofs und Märtyrers Josaphat (1580-1623). Er starb eines gewaltsamen Todes, weil er sich für die Union der ruthenischen Kirche (eine katholische Ostkirche) mit Rom ausgesprochen hatte. Im Schlussgebet der Messfeier am 12. November hieß es:
Barmherziger Gott, dein heiliges Mahl schenke uns den Geist der Stärke und des Friedens, damit wir nach dem Vorbild des heiligen Josaphat unser Leben einsetzen für die Ehre und die Einheit der Kirche …
Ich gebe zu: Leicht kamen mir diese Worte nicht über die Lippen, als ich sie vorgebetet habe. Das Leben … mein Leben … einsetzen? Für die Ehre der Kirche? Was bedeuten diese Worte in letzter Konsequenz? Sind es nicht zu große Worte, um sie „mal eben“ vorzubeten – und dann alle Mitfeiernden „mal eben“ mit dem gewohnten „Amen (So sei es)“ antworten zu lassen?
Ja, bei manchen Gebeten stolpere ich innerlich, zumal als Vor-Betender, und denke: Diese Worte sind gerade zu groß für mich! Und am Mittwoch gingen meine Gedanken wieder zu jenen, für die das Alltag ist: Christen, die tatsächlich ihr Leben einsetzen, die ihr Leben wagen um ihres Glaubens und der Kirche willen … in unserer Zeit, an vielen Orten dieser Welt.
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
08.11.2025: Das macht Freude
Am gestrigen Freitagabend fand im AmandusForum wieder ein Casino-Abend unserer Messdienerschaft statt. Als ich zwischendurch zu einer Stippvisite rübergegangen bin, hatte ich – Gottseidank! – mein Jackett angezogen, ansonsten hätte ich mich nämlich sehr „underdressed“ gefühlt: Alle hatten sich ordentlich in Schale – in Casino-Fashion – geworfen.
Es ist eine Freude mitzuerleben, was sich gerade in der Messdienerschaft tut. Es gibt regelmäßige und gut besuchte Aktionen, vom Frühstück im Pfarrgarten mit anschließendem Besuch in einem Klettergarten über kleine Gottesdienste hin zu einem Casino-Abend, da sind engagierte BetreuerInnen und engagierte MessdienerInnen, auch was die Dienste in den Gottesdiensten angeht.
Ich kann nur von Herzen Danke sagen für das, was da wächst und blüht – und ich wünsche allen Mitwirkenden, dass sie sich die Freude an ihrer Gemeinschaft noch lange erhalten können und daraus Erinnerungen erwachsen, die für ein ganzes Leben zählen.
D a n k e !
Heinrich Plaßmann, Pfarrer
01.11.2025: Wenn ich groß bin, rufe ich den Krieg an und sage ihm …
Freitagvormittag, 31. Oktober, in der Lohschule.
Ich feiere 4x Gottesdienst mit den 2. Klassen.
Wir streifen das Thema Halloween, es geht aber vor allem um Allerheiligen, um die Frage, was Heilige ausmacht … und: „Seid ihr eigentlich auch heilig?“
In einer Klasse nennen die Schülerinnen und Schüler sich plötzlich gegenseitig: „N. ist meine Freundin, sie ist für mich da.“ „N. kümmert sich um andere und hilft.“ „N. teilt mit anderen.“
In einer anderen Klasse geht es darum, dass Heilige sich auch für den Frieden einsetzen. Ein Junge erzählt: „In meiner Heimat ist schon ganz lange Krieg“. Und auf meine Frage, wo seine Heimat ist, antwortet er: „Syrien“.
Nach dem Gottesdienst kommt ein Junge zu mir und sagt: „Wenn ich groß bin, rufe ich den Krieg an und sage ihm, er soll aufhören.“ Diese Äußerung, denke ich, ist nicht kindisch, sie ist kindlich. Kindisch ist vielmehr das Getue und Protzgehabe vieler Machthabenden unserer Tage.
Die Gottesdienste erinnern mich an die mahnenden Worte Jesu: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“ (Mt 18,3) Und heute, an Allerheiligen, denke ich: Die Kinder haben mich in besonderer und intensiver Weise mit dem in Berührung gebracht, was den heutigen Feiertag ausmacht: Das Heilige, das Gott in uns alle eingesenkt hat …
Heinrich Plaßmann, Pfarrer