Aktuell > Geistliches Wort

23.05.2020: Licht ... Blocker?

Die Zeit der Pandemie setzt uns zu. Trotz aller Lockerungen ist Vorsicht weiter geboten: Das belegen u.a. die Vorkommnisse im Landkreis Leer (mehrere Infektionen vermutlich aufgrund eines Restaurantbesuches) und in Frankfurt (nach einem Gottesdienstbesuch). Es kostet viele Menschen Kraft, immer noch (liebe, vertraute) Menschen auf Abstand zu halten … diesen anderen Alltag organisiert zu bekommen … die existenzbedrohenden Folgen zu spüren … Am Beispiel der Fleischindustrie wird gerade deutlich, was wir lange geflissentlich übersehen haben: Ausbeutung gibt es mitten unter uns! Dann sind da noch die wilden Verschwörungstheorien, die bei Menschen auf fruchtbaren Boden fallen …

Das Gestrüpp der Pandemie überwuchert unseren Alltag. Es zehrt an den Kräften, raubt Lebenskraft.

Aber da ist ein Licht … hinter allem. Es ist da. Er ist da, Jesus Christus, der uns versprochen hat: Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

Da ist ein Licht hinter allem … verborgen? Oder dringt es durch das Gestrüpp? Findet er, Jesus Christus, die Ritzen und Lücken, um zu uns durchzukommen - und uns neu zu beleben?

Er hat es schließlich versprochen: Ich bin mit euch alle Tage …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

17.05.2020: Was würde Junia sagen?

Junia, von Paulus im Römerbrief erwähnt (16,7), war in der früheren Fassung der Einheitsübersetzung der Bibel zunächst ein Junias, ehe bei der Neuübersetzung wieder eine Junia daraus wurde. Der hl. Johannes Chrysostomus schrieb im 4. Jahrhundert über sie: "Ein Apostel zu sein ist etwas Großes. Aber berühmt unter den Aposteln – bedenke, welch großes Lob das ist. Wie groß muss die Weisheit dieser Frau gewesen sein, dass sie für den Titel Apostel würdig befunden wurde."

Am heutigen Gedenktag dieser Apostolin fand der bundesweite Predigerinnensonntag der kfd statt: 12 Frauen. 12 Orte. 12 Predigten … Ein Zeichen, so heißt es in einer der Predigten, gegen die Unsichtbarkeit von Frauen in der Verkündigung im Gottesdienst.

Denn noch immer sind Frauen in der Kirche sichtbar und gleichzeitig unsichtbar, hörbar und doch „unerhört“. Noch immer haben Frauen um Gleichberechtigung zu kämpfen. In der Kirche – und in der Gesellschaft, wie die aktuelle Corona-Krise zeigt, die auch zu Lasten vieler Frauen geht.

Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen, im Jahr 2020 … Manche Dinge sind schwer zu verstehen, so auch diese anhaltende Unwucht zwischen Frauen und Männern. Aber der Blick auf Junia und andere starke, prägende Frauengestalten in der (Kirchen-)Geschichte lässt (hoffentlich) hoffen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

10.05.2020: Mit Blumen

Bei allem, was sich in diesen Tagen merkwürdig und schräg anfühlt, so auch bei der Feier der Gottesdienste mit öffentlicher Beteiligung - der Mundschutz beim Betreten und Verlassen der Kirche, nur eine bestimmte Zahl an Sitzplätzen, das Einhalten des Mindestabstandes, die stumme Kommunionausteilung (so notwendig diese Maßnahmen auch sind)-, bin ich froh, dass wir an einer Stelle in der wohltuenden Sprache der Blumen einen besonderen Akzent setzen.

Danke den Damen, die für den Blumenschmuck in unseren Kirchen verantwortlich sind, für ihre Kreativität!

Diese geschmückten "Abstandsmarkierungen" sind ein schöner und kostbarer Beitrag, dass sich Kirche auch weiterhin nach Kirche anfühlen kann.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

02.05.2020: Wir sollten reden ...

Was brauchen wir zum Leben … abgesehen von Toilettenpapier, Teigwaren, Hefe und anderen zwischenzeitlich eingeschränkten Waren?

Was brauchen Christinnen und Christen – besonders in diesen Wochen – zum Leben? Sind es die per Livestream übertragenen Gottesdienste? Sind es die Videoimpulse auf der Homepage? Waren es die Vorlagen zur Gestaltung der Kar- und Ostertage? Man kann in diesen Dingen, die im Wochenblatt und auf der Homepage nachzuverfolgen sind, einen Beitrag sehen. Aber das reicht mir nicht als Antwort.

Ich rechne mit dem, was ich nicht sehe, aber erfahren möchte, später, wenn unser Zusammenleben wieder normal(er) wird … Dann möchte ich die Menschen dieser Gemeinde erzählen lassen, was sie, vielleicht allein, vielleicht mit anderen, gefunden oder auch selbst erfunden haben, um als Christin und Christ den Alltag erträglicher und lebendig zu gestalten.

Denn ich rechne damit, dass unsere Gemeinde in diesen Tagen – oftmals verborgen – blühendes Leben hervorbringt, auch abseits von Livestream, Homepage und Wochenblatt.

Davon sollten wir einander erzählen … bei nächster Gelegenheit.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

01.05.2020: Der Sohn des Zimmermanns

Der 1. Mai ist nicht nur der Tag der Arbeit, er ist auch der Gedenktag des hl. Josef des Arbeiters. Aus diesem Anlass fällt mir diese schon Jahre zurückliegende Begebenheit wieder ein:

In einer Familienmesse sprachen wir über das Evangelium von der Heilung eines Gelähmten (Mk 2,1-12): Weil der Andrang zu Jesus so groß war, dass kein Durchkommen war, stiegen vier Männer auf das Dach des Hauses, deckten es dort, wo Jesus war, ab, schlugen ein Loch in die Decke und ließen ihren gelähmten Freund auf einer Liege zu Jesus herab.

In der Katechese verwies ich darauf, dass am Ende eine Sache offenbleibt, die wiederum zu neuem Streit führen könnte: Wer deckt das Dach wieder zu? Wer ist dafür verantwortlich, den Schaden zu reparieren? Der Hausbesitzer, nach dem Motto „Das war es mir wert“? Die vier Männer, die das Loch in die Decke geschlagen haben? Der ehemals Gelähmte als Nutznießer der Aktion?

Ein Kind antwortete auf meine Frage: „Jesus.“

Diese Antwort hat mich zunächst überrascht, aber die Vorstellung gefällt mir bis heute: Jesus, der Sohn des Zimmermanns Josef, erinnert sich daran, was er bei seinem Vater gelernt hat, und sagt zu seinen Jüngern: „Kommt, Jungs, das regeln wir schnell! Viele Hände, schnelles Ende!“ Und ab geht es aufs Dach …

Selbst wenn es nicht so gewesen ist: Mit diesem Bild eines zupackenden Jesus kann ich gut leben.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

26.04.2020: Der Leerstelle zum Trotz

Fragen Sie sich nicht auch manchmal, was damals im dunklen Grab geschehen ist? Wie sich das vollzogen hat, wie das geht: die Auferstehung Jesu?

Die Evangelien lassen hier eine Leerstelle. Es hat eben niemand „Mäuschen spielen“ und durchs Schlüsselloch blicken können. Und letztlich wird Auferstehung – so vermute und hoffe ich – im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich sein.

Von Begegnungen mit dem Auferstandenen, davon erzählen die Evangelien aber. Sie machen die Leerstelle – Was geschah im dunklen Grab? – nahezu vergessen. Diese Begegnungen setzen eine Geschichte in Gang, die wir bis heute fortschreiben und die auch über unsere Zeit hinaus fortgeschrieben wird.

Und dennoch: Fragen Sie sich nicht doch manchmal, was damals … und wie … im dunklen Grab …?

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

18.04.2020: Konferenzschaltung

Liebe Leserinnen und Leser,

an dieser Stelle muss es nicht immer nur ernst zugehen, darum wage ich nun einen humorvollen Blick in die Zukunft. Denn wo jetzt so viele Gottesdienste gestreamt werden, da bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, wie z.B. eine Liveschaltung zwischen den Gottesdiensten, z.B. in der Osternacht 2021. Das könnte sich dann (fast) anhören wie die Schlusskonferenz, die man an einem Spieltag der Fußball-Bundesliga aus dem Radio kennt:

Wir schalten live in die Schlussphase der Osterpredigten. Wir gehen zunächst zu Pfarrer M.
in St. D., der an einem wichtigen Punkt seiner Predigt angekommen ist. Aber ich höre,
dass in St. M. das Predigtende naht?

Hallo, hier St. M.: Pfarrer P. läutet gerade die Schlussphase seiner Predigt ein. Aber er hat sich
in seinen vielen Ideen verdribbelt, es plätschert dem Ende entgegen. Was ist los bei Pfarrer O. in St. N.?

Pfarrer O. ist noch voll in seinem Element. Die Gemeinde hängt an seinen Lippen und folgt den
lebendigen Ausführungen. Ich höre aber, dass Pfarrer P. inzwischen ans Ende seiner Predigt gekommen ist?

Richtig, gerade hat die Gemeinde das Amen gesprochen und eine gewisse
Erleichterung war nicht zu überhören. Wie ist der Stand bei Pfarrer M.?

Pfarrer M. trägt seine Ausführungen klar und durchdacht vor und trifft immer wieder
ins Schwarze. Doch was ist gerade los in St. N.? Hat Pfarrer O. tatsächlich
im missionarischen Übereifer ein Eigentor geschossen?

Was meinen Sie: Nur Zukunftsmusik?

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

11.04.2020: Stiller

Wo sonst vor der Feier der Osternacht in der Sakristei die Messdiener umherschwirren, war es diesmal stiller.

Wo sonst nach der Feier der Osternacht das Händeschütteln und Beglückwünschen einsetzt, war es diesmal stiller.

Auch da fehlt mir nun die Gemeinschaft: miteinander zu reden … zu lachen … sich zu freuen … Die Fülle – an Gedanken, Empfindungen – zu teilen … denn die Osternacht ist unsere Nacht der Nächte.

Wie vielen Menschen mag es gerade ebenso gehen wie mir?

Also schreibe ich und teile so Gedanken, Empfindungen … Denn auch diese "so ganz andere" Osternacht war eine Nacht der Nächte.

Und darum, mit einem Osterlächeln: Gesegnete Ostern!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.12.2019: Im Kleinen

Es braucht nicht immer große Worte und lange Texte. Auch Kleinigkeiten können aufmerken und „am Rande, gar beiläufig Aufgeschnapptes“ kann staunen lassen … In dieser Rubrik möchte ich Sie wöchentlich – in der Regel am Samstag oder Sonntag – auf eine kleine Reise mitnehmen: Lassen Sie uns Spurensucher sein, die Gottes Handschrift entdecken: Sie kann zart sein, fast durchsichtig, und doch allgegenwärtig.


Heinrich Plaßmann, Pfarrer

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