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02.07.2022: Mit Humor gegen die Abenddämmerung

Bei einem Hausbesuch wurde ich heute liebevoll-freundlich mit den Worten begrüßt: „Willkommen bei den letzten Katholiken!“

Man kann der aktuellen Situation und den Statistiken (steigende Kirchenaustritte, zurückgehende Gottesdienstbesucherzahlen) also auch mit (Galgen?-)Humor begegnen: Eine wohltuende Alternative gegen alles Depressive und Lethargische.

Humor mag nicht die Lösung für die bestehenden Probleme sein … aber vielleicht kann Humor ein Teil der Lösung sein, im Sinne von mehr Lebendigkeit und Lebensfreude in unserer Verkündigung und in unseren Feiern?

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

25.06.2022: Hut ab zum Gebet

Angetreten auf der Festwiese zum Großen Zapfenstreich.

Es ertönt das Kommando: „Hut ab zum Gebet.“

Die Kapelle spielt „Ich bete an die Macht der Liebe“.

Mir gehen unterschiedliche Gedanken durch den Kopf:

Wer betet jetzt gerade tatsächlich? Und zu wem? Das Gebet braucht doch ein DU als Gegenüber, als Adressaten … Für wen ist Gott noch ein solches DU?

Was geschieht mit Worten wie „Hut ab zum Gebet“, wenn sie ihre wortwörtliche Bedeutung Sinn verlieren?

Und wie sieht es hinter der eigenen Türschwelle aus? Werden denn die Worte „Lasset uns beten“ im Gottesdienst als Einladung zum eigenen Gebet verstanden (als solche sind sie nämlich gemeint) – oder leiten sie nur die mehr oder weniger kurze Pause ein, ehe das Tages-, Gaben- oder Schlussgebet folgt?

Es schadet nicht, so immer mal wieder „ins Stolpern zu geraten“ – und nachdenklich Rituale und Gewohntes auf den Sitz im Leben zu hinterfragen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

19.06.2022: Vom HÖRamt der Kirche

Ich habe mir in den vergangenen Tagen auszugsweise die Missbrauchsstudie für das Bistum Münster vorgenommen. Ich habe die Äußerungen unseres Bischofs und die Kommentare von Journalisten verfolgt.

Insbesondere aber haben mich die Reaktionen der von Missbrauch betroffenen Menschen interessiert. Ich habe gespürt, wie hoch ihre Sensibilität ist. Ich habe mitbekommen, dass manches gut gemeinte Wort an ihre Adresse dann doch nur das war: Gut gemeint … aber eben nicht gut gemacht. Ich habe wahrgenommen, dass das „System Kirche“ sie auch in den vergangenen Tagen das ein oder andere Mal schlichtweg übersehen hat, allem guten Willen zum Trotz.

Kirche braucht nicht nur ein LEHRamt.

Sie braucht jetzt vor allem ein HÖRamt.

Kirche muss neu hören lernen: die Stimme der Betroffenen … die Klagen der Benachteiligten … die Stille derer, die nicht mehr die Kraft haben, ihre Stimme zu erheben.

Kirche muss neu hören lernen, um Lebenswirklichkeiten wahrzunehmen und sich gegebenenfalls ent-täuschen zu lassen. Diese zweifellos schwierige Übung findet sich übrigens in vielen Pastoralplänen. Sie muss aber täglich neu eingeübt werden, ehe uns ein solches Hören – vielleicht – in Fleisch und Blut übergeht.

Nicht nur lehren.

Nun vor allem hören …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

12.06.2022: Trüben und vergiften

Die göttliche Dreifaltigkeit, die wir am heutigen Dreifaltigkeitssonntag feiern, ist für mich Ausdruck einer unausschöpfbaren Lebens- und Liebesfülle, die nicht bei sich bleibt, sondern Ausstrahlungskraft besitzt.

Die morgige Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster wird uns aber wieder vor Augen führen: Was aus dieser Quelle sprudelt, kann getrübt und vergiftet werden. Durch den Missbrauch von Menschen … und durch die Vertuschung dieses Missbrauchs und damit einhergehend die Missachtung der Opfer.

So beschämend und schmerzhaft die Ergebnisse solcher Gutachten und Studien für die Kirche auch sein mögen: Es ist an der Zeit, dass ans Licht kommt, was zu lange im Dunkeln gehalten wurde.

Was gute, frohe Botschaft ist, kann getrübt und vergiftet werden: Wo sind heute die blinden Flecken der Kirche?

Ist es nach wie vor das Thema Missbrauch? Ist es die Frage nach dem Zugang der Frauen zu Ämtern? Finden wir unseren blinden Fleck im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen und queeren Menschen? Oder in der fehlenden Nähe zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen?

Wo ist unser Denken heute eingeschränkt und angstbesetzt?

Geschieht auch heute der Verrat am Evangelium Jesu Christi? Es wird letztlich der Maßstab sein, an dem unser Tun (und Nichttun) bemessen wird ...

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

05.06.2022: Pfingstwünsche

Mein pfingstlicher "Wunschzettel":

Der Heilige Geist helfe uns, die richtigen Fragen zu stellen und aus den Antworten die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Er gebe uns den Mut, loszulassen, um aufbrechen zu können.

Er lehre uns, unsere Kräfte an den richtigen Stellen einzusetzen.

Und vor allem: Er überrasche uns – immer wieder!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

29.05.2022: Die furchtbare Logik der Waffen

Beim gestrigen Friedensgebet in der Lutherkirche habe ich ein Licht entzündet für die über 20 Opfer des jüngsten Amoklaufs an einer Schule in den USA. Auch das ist ja ein Teil des Unfriedens in der Welt: Die riesige Zahl an Waffen, die in Umlauf ist, viele davon – nahezu unkontrolliert – in privaten Händen. Selbst die Einführung einer stärkeren Waffenkontrolle – z.B. in den USA – würde nichts an den allein dort bereits existierenden 400 Millionen Waffen ändern.

Eine gängige Logik in den USA besagt: „Das Einzige, was einen Bösewicht mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Kerl mit einer Waffe.“ Diese Logik greift weltweit wieder um sich. Immer wieder folgen wir Menschen dieser Logik, statt unsere Ressourcen im Kampf gegen Hunger und Krankheiten einzusetzen.

Ein weiteres Phänomen begleitet auch den jüngsten Amoklauf: Der Täter wird als „das Böse“ bezeichnet. Man entmenschlicht ihn, wie bereits andere Täter zuvor. Dadurch entledigt man sich der Verantwortung, den Ursachen ihrer Gewalttaten auf den Grund zu gehen … von denen eine sein könnte, dass eben doch zu viele Waffe unkontrolliert in Umlauf sind.

In einem Text von Mascha Kaleko heißt es, dass Leiden uns nicht läutert und man durch Schaden nicht klug wird, nur gerissen. Es wäre bitter, wenn damit das letzte Wort gesprochen wäre … und der nächste Amoklauf und die nächsten Opfer damit nur eine Frage der Zeit sind ... und das nächste Licht, das wir für sie entzünden.

Kalekos letztes Wort im Text: Gott wird um die "Nachlieferung eines Weltgewissens" gebeten.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

21.05.2022: Tornados

Aus den vergangenen Tagen:

In Paderborn, Lippstadt und Lütmarsen (Höxter) verursachen drei Tornados schwere Schäden. Sie lehren uns eindrücklich: Unwetterwarnungen sind ernst zu nehmen, denn das Wetter wird unberechenbarer. Wir müssen lernen, einen Sinn für Gefahr zu entwickeln, damit wir uns nicht Risiken aussetzen, die wir nicht einschätzen können. Das sind wir bislang nicht gewohnt.

Der Generalvikar des Bistums Speyer, ein Befürworter des Synodalen Weges, scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Amt und wird Priester der altkatholischen Kirche. Diese Meldung vertieft die Schneise des Vertrauensverlustes in die Reformfähigkeit (und -bereitschaft) der katholischen Kirche.

In Köln stehen ein katholischer Priester / Theologieprofessor und der Chefredakteur der Zeitschrift „Theologisches“, ebenfalls ein katholischer Priester, vor Gericht: Ersterer hatte in einem in der Zeitschrift veröffentlichten Artikel homosexuelle Menschen unter anderem „Krebsmetastasen“ und „Parasiten“ genannt. Es kommt zu einem Vergleich bzw. zur Einstellung des Verfahrens. Nahezu zeitgleich wird vor einem Bremer Gericht ein evangelischer Pastor vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen. Von ihm stammen u.a. Aussagen wie Homosexualität sei „eine Degenerationsform von Gesellschaft" oder „Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung.“ Unabhängig von den getroffenen Urteilen zeugen beide Fälle mit ihrer Sprachwahl von einem Verlust an Umgangsformen und respektvollem Miteinander auch in unseren Kirchen: Menschen verschieben – mit Lust an der Provokation – die Grenze dessen, „was mal gesagt werden muss“ … von Applaus begleitet.

Die Wetteraussichten: Es bleibt stürmisch und trüb.

Unwetterwarnungen sind ernst zu nehmen!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

15.05.2022: Maria wiederfinden

Ich bin Maria.

Oftmals werde ich reduziert: auf die demütige Magd … auf die sich Erniedrigende … Wie viele Generationen meiner Schwestern haben sich an mir messen lassen müssen? Wie vielen Generationen wurde ich als folgsames Vor-Bild vor Augen gestellt?

Glaubt nicht, dass ich das gewollt habe!

(Aber wer hat das gewollt und gefördert? Wer hat davon profitiert?)

Ich habe gelebt, geatmet … Ich habe die Zeit durchschritten: Die Bibel kennt mich als junges Mädchen, als Mutter Jesu, als Zeugin von Auferstehung und Pfingstereignis … Ich habe euch das Magnifikat geschenkt, den leidenschaftlichen Lobpreis Gottes mit revolutionärem Geist!

Entdeckt mich neu! Löst mich aus der alten Sprache und erlöst mich aus den alten Bildern!

Findet mich wieder auch im Handeln meines Sohnes und in seinem Umgang mit den Frauen!

Lasst mir Gerechtigkeit widerfahren – und meinen Schwestern, die man in meinem Namen kleingehalten und unterdrückt hat!

Es ist an der Zeit!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

08.05.2022: Herr Tur Tur und das Osterfest

Als ich in der vergangenen Woche mit einer Gruppe im Restaurant war, wurde bei einem von uns ein großes (leeres) Hefeweizenglas gegen ein kleines (volles) Pilsglas ausgetauscht. Jemand anderes brachte prompt Herrn Tur Tur ins Gespräch, den Scheinriesen aus Michael Endes Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“: Dieser ist aus der Ferne riesengroß und erweist sich aus unmittelbarer Nähe als hilfsbereite, nette Person von normaler Größe.

Herr Tur Tur regte mich an, noch einmal über das Osterfest nachzudenken:

Ostern wird nicht kleiner: Zeitlich liegt das Osterfest zwar schon wieder mehrere Wochen hinter uns, unsere Pläne und Gedanken gelten dem Hier & Heute und der Zukunft, doch wir befinden uns noch immer in der Osterzeit, ja, sogar noch immer am Ostermorgen. Ostern wird nicht nur nicht kleiner, sondern bleibt unmittelbar.

Und Ostern wird größer: Denn mit jedem Tag gehen wir Ostern entgegen, kommen wir unserem ganz persönlichen Ostern näher … unserem eigenen Sterben, unserem eigenen Tod – unserer Auferstehung.

Ostern wird nicht kleiner. Ostern ist unmittelbar. Ostern wird größer: So hoffen und glauben wir, dass Ostern kein Scheinriese ist, sondern eine Wirklichkeit, die unser Leben fundamental verwandelt.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

30.04.2022: Schneckenhaftigkeit

Der auf dem Foto abgebildeten Schnecke lief ich in der vergangenen Woche frühmorgens am Kanal über den Weg. Und ich erinnerte mich an eine Kevelaer-Wallfahrt im Jahr 1997, die ich als frischgebackener Kaplan in Kirchhellen mit vorbereitet habe: "Tempolimit - Suche nach Entschleunigung". Das Programmheft befindet sich noch in meinen Unterlagen, inklusive der „Fünf Gänge nach Art der Schnecke“ (sicherlich irgendeinem Buch entnommen):

  1. Gemach, gemach – langsamer werden.
  2. Dran bleiben – beharrlich sein.
  3. Besinnen vor Beginnen – bedächtig gehen.
  4. Die Fühler ausstrecken – empfindlich werden.
  5. Unterwegs und immer zu Haus – behaust sein.

Erstaunlich, was eine Schnecke einem Menschen mit seinem raschen Schritt mit auf den Weg geben kann …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.04.2022: Tresorknacken mit dem Evangelisten Johannes

Stellen wir uns vor, dass der Evangelist Johannes uns in seinem Sonntagsevangelium (Joh 20,19-31) einlädt, verschiedene Codes aufzuspüren, um mit ihnen einen Tresor zu öffnen, in dem wir die Frohe Botschaft entschlüsselt(er) finden:

Code 1: „Friede sei mit euch!“

Den verängstigten, sicher auch von Schuldgefühlen geplagten Jüngern macht Jesus keine Vorhaltungen, hält ihnen keine Standpauke. Stattdessen versöhnliche, belebende Worte, die auch wir uns – als heute Hörende – zusagen lassen dürfen.

Code 2: … hauchte er sie an …

Eine Erinnerung an den Anfang, als Gott dem Menschen den Lebensatem durch die Nase einblies und dieser so zu einem lebendigen Wesen wurde (Gen 2,7). Ostern heißt: Neue Schöpfung werden … heißt: Neuanfang.

Code 3: „Wenn ich nicht … und wenn ich nicht …, glaube ich nicht.“

Die Zweifel des Thomas erinnern uns daran, dass Auferstehung unseren alltäglichen Horizont sprengt. Und sollten wir noch so häufig Ostern feiern und noch so oft das Wort „Auferstehung“ auf den Lippen haben, so sollten wir doch nicht aufhören, darüber zu staunen. Jesu Auferstehung darf uns – zumindest hin und wieder – gerne mal die Sprache verschlagen.

Code 4: Acht Tage darauf …

Für gewöhnlich zählen wir die Tage von 1 bis 7, eine Woche, und beginnen dann wieder mit dem ersten Tag. Der achte Tag – den es demzufolge eigentlich nicht gibt – gehört der Ewigkeit, gehört der Sphäre des Göttlichen. Der achte Tag ist der Tag, an dem der Messias kommt. Noch einmal verweist Johannes darauf, dass die Auferstehung Jesu einen fundamentalen Aufbruch und Neubeginn beinhaltet.

4 Codes sind es Imindestens), die der Evangelist Johannes uns an die Hand gibt, damit wir uns am Schatz der Frohen Botschaft erfreuen können …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

17.04.2022: Unsere Osterkerzen

Unsere Osterkerzen.
Viele haben sich eingebracht,
haben einen Punkt gesetzt.

In unmittelbarer und friedlicher Nachbarschaft
finden sich Durcheinander und Ordnung,
Nähe und Distanz.

Unsere Osterkerzen.
So bunt und vielfältig wie das Leben selbst,
Spiegelbild der Menschen in unserer Pfarrei …
Spiegelbild so auch der göttlichen Phantasie und Weite.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

Kontakt

Pfarrbüro St. Amandus
Kirchstraße 25, 45711 Datteln
Tel.:   02363/5652-0
Fax:    02363/5652-21
E-Mail: stamandusdatteln(at)bistum-muenster.de

Öffnungszeiten des Pfarrbüros:

Montag 9:00-12:00 15:00-17:00
Dienstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Mittwoch 9:00-12:00  
Donnerstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Freitag 9:00-12:00  

 

Im Notfall

Sollten Sie in einem dringenden Fall (Krankensalbung, Sterbefall) einen Seelsorger benötigen, können Sie sich an die Pforte des Krankenhauses (Tel.: 02363/108-0) wenden, die Sie an einen Priester weitervermitteln kann.

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