Aktuell > Geistliches Wort

29.03.2020: Verbunden

Ich bin sicher, dass es Menschen guttut zu wissen: In unserer Gemeinde wird weiterhin regelmäßig die Heilige Messe gefeiert. Und viele wird es schmerzen, nicht in der Kirche daran teilnehmen zu können und sich auf Radio oder Fernsehübertragungen beschränken zu müssen. Aber sie fühlen sich verbunden, wie auch durch das Glockengeläut und die Einladung zum Gebet jeden Abend um 19.30 Uhr.

Umgekehrt war es für mich eine große Freude, als wir am gestrigen Samstag um 17 Uhr mit einem Audio-Stream der Vorabendmesse in St. Amandus an den Start gehen konnten. Ich wusste von Menschen (z.B. von meiner Familie), dass sie zuhören – und mitfeiern! – würden. Es war ein greifbar schönes Gefühl, auch wieder heute um 9.45 Uhr, nicht nur in den Kirchenraum, sondern über ihn hinaus sprechen und beten zu können.

(Und die Hoffnung auf eine funktionierende Videoübertragung haben wir auch noch nicht aufgegeben.)

Gottesdienst ist Gemeinschaft – und gut, dass uns die Technik unterstützt, diese Gemeinschaft erlebbarer zu machen und in Verbindung zu bleiben.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

26.03.2020: Abendhimmel

Nach jedem abendlichen Glockenläuten,
auf dem Weg zurück ins Pfarrhaus,
geht mein Blick an der Kirche empor
in den Himmel hinauf.

Ein tiefes, dunkles Blau finden meine Augen
in diesen Tagen,
ausgespannt über uns wie ein glatt gewobenes Tuch.

Wenn mein Blick zum Himmel geht,
fühle ich mich wie Abraham im Alten Testament
und das Aufschauen wird zum Ausdruck des Gottvertrauens.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

25.03.2020: Von der anderen Seite

Heute feiert die Kirche das Hochfest Verkündigung des Herrn: Der Engel kommt zu Maria und kündigt ihr an, dass sie einen Sohn gebären wird, den Sohn des Höchsten. Die Antwort der jungen Frau: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

Dieses Ja hat Konsequenzen – und darum möchte ich es an diesem Tag mit einer Kreuzwegstation verknüpfen, mich diesem Fest von der anderen Seite annähern.

In der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Ahaus hat Georg Meistermann, einer der großen Künstler und Glasmaler des 20. Jahrhunderts, neben den Fenstern auch den Kreuzweg gestaltet. Von Anfang hat mich an seinem Kreuzweg die 4. Station fasziniert: Jesus begegnet seiner Mutter.

Dieses Kreuzwegbild ist für mich zum Sinnbild ohnmächtiger Liebe geworden. Maria ist da, bereit ihrem Sohn zu helfen. Sie streckt ihm ihre Hände entgegen, die Arme fast unnatürlich lang … aber da steht das Kreuz zwischen ihr und ihrem Sohn, ja es tut sich eine undurchdringliche Wand auf zwischen ihr und Jesus. Jesus ist so nah, doch der Abstand ist unüberwindbar. Die Ohnmacht der Liebenden …

Zu allen Zeiten, überall auf der Welt kennen Menschen dieses Gefühl der Ohnmacht. Das nur angedeutete Gesicht der Maria zeigt, dass sie für alle diese Menschen steht. Sie kann ihrem Sohn das Leiden nicht abnehmen – aber sie ist da, sie geht den Weg mit. Die Ältere verwirft nicht das Ja, das die Jüngere einst gesprochen hat. Dazu – und auch die Ohnmacht auszuhalten – gehört eine ungeheure Stärke.

In diesen Tagen tun sich auch Wände und Trennungen auf, strecken sich Arme aus, die ins Leere gehen: Wir sollen Abstand halten voneinander, können liebe Menschen nicht sehen, um sie und uns zu schützen. Doch wir haben Möglichkeiten, das Trennende zu überwinden: Wir bleiben über unterschiedlichste Medien mit unseren Lieben in Kontakt, die Technik (und auch das verbindende Gebet!) macht´s in vielen Fällen möglich. Doch wünschen wir uns natürlich, dass diese erzwungene Distanz nur eine vorübergehende bleiben möge … Ob auch hier ein kleines Stoßgebet Erleichterung verschaffen kann: O Maria hilf …?

Wenn Sie die Betrachtung des Kreuzwegbildes vertiefen möchten, verknüpfen Sie es gerne mit dem Gebet der 4. Kreuzwegstation aus dem Gotteslob (683,4):

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.
Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Lesung (Joh 19,25-27a):
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter!

Meditation:
Jesus und seine Mutter.
Begegnung im Leid.
Begegnung auf dem Kreuzweg.
Stark wie der Tod ist die Liebe.

Gebet:
Gepriesen seist du, mein Herr und mein Gott, der du den Menschen in Liebe begegnet bist. Wir bitten dich:
Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

21.03.2020: Laetare - Freue dich

Der 4. Fastensonntag … der Sonntag „Laetare“ (Freue dich) … Die Mitte der Fastenzeit ist erreicht In manchen Gemeinden tragen die Priester an diesem Sonntag rosafarbene Messgewänder, denn das Weiß des näherkommenden Osterfestes mischt sich bereits in das Violett der Fastenzeit.

Aber wirkt die Aufforderung zur Freude in dieser ernüchternden Zeit, die geprägt ist vom Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus mit allen Auswirkungen, nicht wie ein Anachronismus, wie ganz schlechtes Timing …?

Oder ist diese Einladung im unveränderten Rhythmus des Kirchenjahres – inmitten unseres schwer gestörten Alltags – sogar eine Wohltat, weil sie uns daran erinnert, dass nicht alles aus den Fugen gerät? Es gibt Verlässlichkeit … es gibt Strukturen … nicht nur im Kirchenjahr, auch in unserer Gesellschaft … und wir spüren gerade, wie sehr es das braucht, weil es beruhigt und Halt schenkt.

Und: Auch wenn wir das Osterfest in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise feiern können … Ostern fällt nicht aus!

Darum wünsche ich Ihnen weiterhin ein gesegnetes Zugehen auf dieses Fest.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

19.03.2020: Nur geträumt?

Träumen Sie? Haben Sie jemanden, dem Sie Ihre Träume erzählen können? Im Erzählen klärt sich manches – und es hilft, wiederkehrende Spuren in den eigenen Träumen zu erkennen.

Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, auf meine Träume zu achten: Welche Motive wiederholen sich? Was löst Unruhe aus? Wie und was empfinde ich in meinen Träumen?

Heute feiert die Kirche das Hochfest des Hl. Josef: Auch er war ein Träumer – und jemand, für den Träume nicht nur Schäume waren. Er hörte im Traum auf den Engel, der ihm gebot, Maria zur Frau zu nehmen. Er hörte im Traum auf den Engel, der ihm gebot, mit Frau und Kind nach Ägypten zu fliehen. Er hörte im Traum auf den Engel, der ihm gebot, mit seiner Familie nach Israel heimzukehren.

Josef, der Handwerker und Träumer: Was für eine wunderbare Mischung – und was für ein faszinierender Mensch!

Mein Glückwunsch an alle, die – ob durch die Taufe oder das Patronat einer Kirche, einer Kita … - mit diesem Namen verbunden sind!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

18.03.2020: Lichtblick

Der Versuch, die Ansteckungszahlen durch das Corona-Virus einzudämmen, führt dazu, dass menschliche Kontakte eingeschränkt werden: Großeltern können ihre Enkelkinder nicht sehen, der Besuch von Alten und Kranken wird erschwert, Kinder sehen ihre Freund/inn/en nicht … Die gemeinsame Feier von Gottesdiensten in unseren Kirchen, die bislang in nahezu allen Krisenzeiten möglich war, ist uns nur noch über Fernsehen, Radio oder Internet möglich.

Aber viele Menschen haben ihren Humor, ihre Kreativität, die Kraft zur Solidarität und den Blick für das Gute und Schöne nicht verloren.

So hat mich heute Morgen das Lichtspiel in St. Amandus erfreut, Ausdruck der himmlischen „special effects“.

Auch Ihnen wünsche ich immer wieder kleine Lichtblicke und Aufmunterungen: Gott öffne uns allen dafür die Augen, wo es sie zu entdecken gibt!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

15.03.2020: Bis auf Weiteres

Ein Virus geht um. Darum machen wir dicht. Wir schließen die Türen. Wir meiden große Ansammlungen von Menschen. Wir lassen sogar unsere Gottesdienste ausfallen. Es ist uns aus der Hand genommen, über Tage und Wochen hinweg zu planen …

Bis auf Weiteres.

Ich sehe das Hungertuch in unseren Kirchen: Im Zentrum des Hungertuchs steht ein Haus, unfertig und offen, denn wir bauen noch an diesem Haus, auch in den Krisen unserer Zeit.

Unfertig und offen. Wir aber machen dicht – und dafür gibt es sehr gute Gründe. Doch es braucht angesichts des Coronavirus auch eine Grenzen-lose Offenheit … den Kontakt der Forschenden und Regierenden über Grenzen hinweg, um gemeinsam Strategien zu entwickeln, um Austausch zu ermöglichen und so Fortschritte in der Bekämpfung des Virus zu erringen ... die Solidarität von Menschen, die nun in vielen Alltäglichkeiten aufeinander angewiesen sind …

Ein Trost? Ein Mutmacher? Eine Bestärkung? Das unfertige, offene Haus im Zentrum des Hungertuchs steht inmitten eines golden Kreises: Es ist geborgen in der Liebe Gottes. Und das mehr und länger als nur „Bis auf Weiteres“ …

Heinrich Plaßmann, Pfarre

07.03.2020: Steh auf …

… und geh, nimm dein Schicksal selbst in die Hand! Das war die Botschaft des Weltgebetstages der Frauen am gestrigen Freitag, gestaltet in diesem Jahr von Frauen aus Simbabwe.

Dieser Weltgebetstag der Frauen ist schon etwas Besonderes:

Weltweit verbinden sich christliche Frauen im Gebet.

Sie öffnen sich für fremde Kulturen.

Sie erzählen einander von ihrem Leben, von ihren Nöten und Bedrängnissen und geben einander weiter, was ihnen Mut macht, Kraft gibt und sie bestärkt.

Sie verbinden sich im musikalischen Austausch, denn jeder Weltgebetstag ist von der Musik des Landes geprägt, das ihn vorbereitet. Der musikalische Funke sprang auch gestern in der Lutherkirche über.

Durch Spenden werden konkrete Projekte unterstützt und wird auch in diesem Zeichen die weltweite Solidarität konkret.

Es ist übrigens ein Weltgebetstag der Frauen – und nicht ausschließlich für Frauen: Auch wir Männer sind herzlich zur Mitfeier eingeladen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.12.2019: Im Kleinen

Es braucht nicht immer große Worte und lange Texte. Auch Kleinigkeiten können aufmerken und „am Rande, gar beiläufig Aufgeschnapptes“ kann staunen lassen … In dieser Rubrik möchte ich Sie wöchentlich – in der Regel am Samstag oder Sonntag – auf eine kleine Reise mitnehmen: Lassen Sie uns Spurensucher sein, die Gottes Handschrift entdecken: Sie kann zart sein, fast durchsichtig, und doch allgegenwärtig.


Heinrich Plaßmann, Pfarrer

Kontakt

Pfarrbüro St. Amandus
Kirchstraße 25, 45711 Datteln
Tel.:   02363/5652-0
Fax:    02363/5652-21
E-Mail: stamandusdatteln(at)bistum-muenster.de
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-12 Uhr und 15-17 Uhr

Aktueller Hinweis zum Umgang mit dem Corona-Virus:

Das Pfarrbüro bleibt – bis auf Weiteres – während der Öffnungszeiten per Telefon und Email erreichbar. Wie auch in vielen Behörden üblich, bitten wir von persönlichen Besuchen im Pfarrbüro abzusehen. In dringenden und unbedingt nötigen Fällen klären Sie diese bitte vorher telefonisch ab!

Im Blick

Mit Uns Verbunden

Social

Bei Facebook teilen