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22.02.2020: 2 Sätze nach Hanau

Nach dem schrecklichen Geschehen in Hanau rufe ich uns 2 Sätze in Erinnerung, die uns in die Pflicht nehmen …

… als Bürgerinnen & Bürger dieses Landes: Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 unseres Grundgesetzes).

… als Christinnen & Christen: Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn (Bibel, Gen 1,27).

2 Sätze, die uns in die Pflicht nehmen, menschenverachtendem Gedankengut und diskriminierendem Reden mit aller Entschiedenheit gegenüberzutreten.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

15.02.2020: Gedanken nach Querida Amazonia

In der vergangenen Woche wurde das Schreiben Querida Amazonia (Geliebtes Amazonien) von Papst Franziskus veröffentlicht, das Schlussdokument zur Amazonas-Synode. Es hat – hierzulande – sehr gemischte Reaktionen hervorgerufen: Der Papst äußert sich entschieden im Einsatz für die Schöpfung (d.h. die Bewahrung Amazoniens), zugleich enttäuscht er viele Menschen mit seinen Ausführungen über die Rolle der Frau und ausbleibenden Anstößen bezüglich neuer Zulassungsbedingungen für Priesterberuf (viri probati) und Diakonat (der Frau).

Ich mache mir nichts vor: Viele Menschen – hierzulande – interessiert das alles schon gar nicht mehr. Sie haben längst einen Haken hinter die Kirche gemacht.

Für alle anderen zitiere ich mich selbst, mit einem Text, den ich zu meinem Abschied aus Ahaus formuliert habe – und der mir an dieser Stelle ganz passend erscheint:

Wenn am Ende kein Ende in Sicht ist

nicht das Ende des „Immer weniger“
nicht das Ende der Krise
nicht das Ende der Frustrationen

nicht das Ende des Sehnens
nicht das Ende des Teilens
nicht das Ende der Hoffnung
nicht das Ende der Freude
nicht das Ende der Träume
nicht das Ende der Verbundenheit
nicht das Ende des Glaubens
nicht das Ende des Geistwirkens

Wenn am Ende kein Ende in Sicht ist
geht es weiter

Darauf setze ich meine Hoffnung, allen Enttäuschungen zum Trotz.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.02.2020: Anhaltende Erntezeit

Es gibt ihn noch, den Gute-Wünsche-Baum, den ich zu meiner Einführung im Oktober vergangenen Jahres geschenkt bekommen habe. Seit 4 Monaten hat er einen (sturmsicheren) Platz im Pfarrhaus St. Amandus. Er trägt noch immer einige seiner kostbaren Früchte. Ich lasse mir Zeit und pflücke nur hin und wieder einen guten und oft auch bunten Wunsch herunter, der mich dann an den „Zauber des Anfangs“ erinnert.

In einem seelsorglichen Beruf sät man oft aus, ohne zu wissen, wie die Ernte ausfällt. Darum ist es schön, hin und wieder einfach nur schöne Früchte ernten zu können …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

02.02.2020: Viele Fragen - und eine Antwort

In der Kirche St. Josef hingen am heutigen Morgen einige Plakate, die aus der Erstkommunion-Vorbereitung stammen. Gefüllt waren sie u.a. mit Fragen der Kinder nach Gott: Wie können wir uns Gott vorstellen? Trägt er Kleidung? Wie kann er auf einer Wolke sitzen? Wie baut er den Menschen? … Es ist schön, wenn Kinder nach Herzenslust fragen (dürfen) – und sie bringen uns Erwachsene damit manchmal ganz schön ins Schwitzen.

Am heutigen Sonntag, dem Fest Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess), schenkt uns Gott auf eine der wichtigsten Fragen, die wir ihm stellen können – Wird es gut ausgehen? Kann am Ende tatsächlich alles gut werden? – eine deutliche Antwort: Ja, alles wird gut! Oder wie es Simeon im Evangelium sagt (Lk 2,29-32): Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Diese Worte Simeons sind zum festen Bestandteil der täglichen Komplet geworden, des Abendgebets der Kirche.

Mit all unseren Fragen – und all unseren Fragen zum Trotz – und bei jedem Gang in die Nacht dürfen wir uns immer wieder vertrauensvoll dem Heil überlassen, das Gott vor allen Völkern bereitet hat, seinem Wort, seiner Zusage, seiner Antwort: Jesus Christus.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.01.2020: Yad Vashem

Der Besuch von Bundespräsident Steinmeier in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in der Nähe von Jerusalem hat Erinnerungen an meinen eigenen Besuch dort im Oktober 2010 geweckt.

Es war beklemmend, als Deutscher an diesem Ort unterwegs zu sein und sich mit den Gräueln zu konfrontieren, die in meiner Heimat an den Juden geschehen sind.

Mir war nach Schweigen zumute, weil es mir schwerfiel, mich dort in deutscher Sprache zu äußern.

Zugleich empfand ich es als ein unglaubliches Geschenk, als Deutscher zu Gast in der Gedenkstätte und in Israel sein zu können, dieser schrecklichen Vergangenheit zum Trotz.

Die sogenannten „Stolpersteine“, die es in vielen Städten zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gibt, machen mich immer wieder fassungslos: Wie konnte das damals geschehen? Wie konnten Menschen im „Land der Dichter und Denker“ es darauf anlegen, andere Menschen, langjährige Mitbürger/-innen, systematisch auszurotten?

Es macht mich fassungslos, wenn Menschen diese Verbrechen verharmlosen … wenn Holocaust-Gedenkstätten als „Denkmal der Schande“ oder die Zeit des Nationalsozialismus als „Fliegenschiss“ bezeichnet wird, zumal in einer Zeit, da hierzulande der Antisemitismus – auch darum? – wieder zunimmt.

Der Besuch in Yad Vashem, die Stolpersteine in Ahaus, Datteln und anderswo und aktuelle Tendenzen in unserer Gesellschaft fordern mich als Bürger dieses Landes und als Christ, der in den Spuren des Juden Jesus unterwegs ist, heraus: „Ich will nicht vergessen! Wehret den Anfängen! Nie wieder!“

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

11.01.2020: Frei geben - Freigeben

Viele Begegnungen und Gespräche vermitteln mir auch in unserer Gemeinde, wie vielfältig die seelsorgliche Arbeit aufgestellt ist: in der Schule, ums Kolumbarium, im Krankenhaus, in der Kinderklinik … Es gibt Kontakte zu Menschen, die dauerhafte Beziehungen schaffen, andere bleiben einmalig oder beschränkt auf Sondersituationen wie Taufen, Krisen, Trauer …

Mensch, was brauchst du? Diese Frage gewinnt zunehmend an Gewicht gegenüber der Frage, wie wir möglichst viele Menschen für das Gemeindeleben gewinnen können. Mensch, was brauchst du? Wenn wir auf diese Frage, in den vielfältigen Begegnungen, zu einer guten Antwort und zu einem guten Handeln finden, ergibt sich daraus alles andere.

Ich fühle mich immer wieder an einen Impuls aus einem Buch über die Pastoral in Frankreich erinnert: Jesus hat den Menschen, die zu ihm kamen, frei gegeben, bedingungslos. Und dann hat er sie freigegeben: Sie mussten nicht mit ihm gehen, sondern konnten heimkehren. Manchen legte er sogar auf, zu schweigen über das, was er heilsam an ihnen gewirkt hatte.

Mensch, was brauchst du? Frei geben, dann freigeben … wie Jesus. So denken, so handeln, das entlastet und befreit zugleich. Und obendrein können wir uns mit dem Gedanken vertraut machen: Gott ist möglicherweise schon längst da am Werk, wo wir meinen, ihn erst noch hintragen zu müssen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

11.01.2020: Kommt - und seht!

Und wenn wir dann gesehen haben …

… was haben wir eigentlich gesehen?

Hat es Eindruck gemacht?

Wollen wir davon reden, es anderen weitererzählen?

 Prägt es sich uns unvergesslich ein?

Gott ist Mensch geworden ...

Oder haben wir etwas gesehen, das nicht mehr war wie flüchtiger Augenblick?

Ein Kind in einer Krippe ...

Mit dem Fest Taufe des Herrn endet die Weihnachtszeit. Unsere Krippen aber stehen noch bis ca. Ende Januar in den Kirchen.

Die Einladung bleibt bestehen:

Kommt - und seht!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

04.01.2020: Eine Frage der Perspektive

Da dies meine erste Weihnachtszeit in Datteln ist, habe ich die Freude, auch neue Krippen kennenzulernen. Heute waren es die Krippenfiguren in St. Josef, die mir besonders ins Auge gefallen sind.

Da sind z.B. "die 2", noch unterwegs zur Krippe: Mit welchen Gedanken und Themen mögen sie sich gerade beschäftigen? Sind sie noch ganz bei sich, bei ihrem Alltag, oder hat sie bereits die Botschaft des Engels in Beschlag genommen?

Die Gesichter der Figuren sind nicht einfach starr. SIe verändern sich, je nach Standpunkt und Perspektive, ob sie noch unterwegs oder schon an der Krippe angekommen sind, ob sie allein dastehen oder miteinander in Kontakt treten ... Davon abhängig kann man ihnen unterschiedliche Emotionen und Dialoge zuschreiben.

Versuchen Sie es doch mal selbst: Sehen Sie den Figuren ins Gesicht, setzen Sie sie in Beziehung zueinander und zur Krippe ... und lassen Sie sie ins Erzählen kommen.

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.12.2019: "I´ll follow you tonight"

Auf dem Weg zum Gottesdienst heute um 17.30 Uhr in Ahsen (und weil´s so passend war, auch auf dem Heimweg) spielt meine Playlist im Auto ein Lied mit dem Titel „I´ll follow you tonight“. Wie passend an der Schwelle zum Heiligen Abend, denke ich, Ich werde dir in dieser Nacht folgen … zu jeder Türschwelle, auf jeden Flur ... Ich nehme die Einladung an und folge den Spuren des göttlichen Kindes in die Nacht hinein, so gleich in der Christmette um 22 Uhr.

Meine Gedanken gehen zu einer anderen Nacht, zur Nacht vom Gründonnerstag auf den Karfreitag, wenn die Einladung lautet: „Bleibet hier, wachet mit mir“. Ich werde dir in dieser Nacht folgen …

Doch in der heutigen Nacht schallt es: „Kommt, lasset uns anbeten …“ Ich werde dir in dieser Nacht folgen …
Ich wünsche Ihnen – in den Spuren, die auch die Nächte des Heilands von Beginn an auf Erden hinterlassen – ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

22.12.2019: Laut & Leise

Es ist beeindruckend, ein Musikstück wie „Highland Cathedral“ in einer Performance von fast 100 Musiker/-innen zu hören, inkl. Dudelsack und Drums, mit Pauken und Trompeten … wie gerade frisch erlebt bei den „Musikern für eure Herzen“ in St. Amandus. Der ganze Kirchenraum füllt sich mit Musik.

Mich fasziniert aber auch, dass sogar nur eine einzige Stimme, nur ein einziges Instrument einen Kirchenraum zu füllen vermögen. Im Wechselspiel von Flöte und Sologesang war das gerade ebenso zu erleben.

Masse beeindruckt: die schiere Größe, das funktionierende Zusammenspiel, die vielen Klangfarben … Doch mit Blick auf das kommende Weihnachtsfest fühle ich mich durch das Weniger bestärkt, meine Hoffnung auf einen Erlöser zu setzen, der als wehrloses Kind in einem Stall geboren wird. Noch weniger geht fast nicht … doch es reicht, um den Erdkreis zu füllen.

Einen guten adventlichen Ausklang wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

14.12.2019: Aufblühen

Wenn etwas aufbricht, wird es spannend! Das habe ich in den vergangenen beiden Wochen bei mehreren Besuchen in der „Adventslounge“ erleben dürfen:
Ich bin mit einigen Menschen intensiver ins Gespräch gekommen, auch mit auswärtigen BesucherInnen. Die anfängliche Fremdheit brach auf, es wuchs eine Vertrautheit, die mir eine Teilhabe an beeindruckenden Lebensgeschichten schenkte. In diesen kurzen und eigentlich zufälligen Begegnungen blühte das Leben auf.
Es ist eine Erfahrung, die sich viel stärker noch im Leben Jesu von Nazareth spiegelt: In vielen seiner oft kurzen und beinahe zufälligen Begegnungen mit Menschen blüht das Leben auf! Häufig ist dieses Aufblühen kein Strohfeuer: Begegnungen mit ihm verändern Menschenleben nachhaltig.
Das Schöne dabei ist: Das geschieht bis heute, bis in unsere Zeit hinein …
Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.12.2019: Im Kleinen

Es braucht nicht immer große Worte und lange Texte. Auch Kleinigkeiten können aufmerken und „am Rande, gar beiläufig Aufgeschnapptes“ kann staunen lassen … In dieser Rubrik möchte ich Sie wöchentlich – in der Regel am Samstag oder Sonntag – auf eine kleine Reise mitnehmen: Lassen Sie uns Spurensucher sein, die Gottes Handschrift entdecken: Sie kann zart sein, fast durchsichtig, und doch allgegenwärtig.


Heinrich Plaßmann, Pfarrer

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