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15.11.2020: DurchKreuzt

„Lockdown light“
DurchKreuzte Pläne

Sogar der Novemberhimmel weiß das DurchKreuzte zu malen

Der Himmel weitet den Blick
Alle Hoffnungslosigkeit: DurchKreuzt
Alle Trostlosigkeit: DurchKreuzt

Das DurchKreuzte sprengt unseren Horizont.
Es eröffnet den Ausblick in die Ewigkeit.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

07.11.2020: Gesichter in unseren Kirchen III

Diesmal habe ich eine Darstellung aus St. Marien Ahsen gewählt: Sie schildert die Begegnung von Elisabeth und Maria. Zwei Frauen begegnen sich, die eine – Elisabeth – unerwartet schwanger geworden im fortgeschrittenen Alter, die andere – Maria – schwanger geworden als noch unberührte junge Frau. Zwei Frauen, die wissen, dass Gott sie „berührt“ hat.

In dieser Darstellung empfinde ich Elisabeth als die spannendere der beiden Frauen: Sie strahlt Lebenserfahrung aus, ihr Gesicht besitzt Charakter, zeugt von „Wissen“ … als bräuchte Maria ihr gegenüber keine Worte: „Wir beide, Maria, du und ich, wir verstehen uns auch so.“

Wenn Sie mal in St. Marien sind, nehmen Sie sich Zeit für diese Darstellung und lassen Sie sie auf sich wirken.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

01.11.2020: Heiligkeit

Vor Jahren hörte ich die Worte: „Ich hätte schon längst heilig sein können, aber mir kam immer etwas dazwischen.“

Vielleicht funktioniert dieser Satz ja auch umgekehrt: „Ich hätte schon längst heillos verloren sein können, aber mir kam immer etwas dazwischen: ein gutes Wort, eine gute Tat, ein guter Gedanke …“

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.10.2020: Zurückgekehrt und bereit

Die zwischenzeitlich in St. Josef und St. Marien stehenden Ständer für die Amanduskerzen sind auf ihren Platz in der Pfarrkirche zurückgekehrt. Die Kerzen liegen noch in der Sakristei und warten auf ihren Einsatz am Montagabend bei der Feier des Patronatsfestes.

1 Kerze brannte in St. Marien. 1 Kerze brannte in St. Josef. 1 Kerze brannte in St. Amandus. 3x das Angebot, im Licht dieser Kerzen zu beten: In Erinnerung an die Nöte einer anderen Zeit leuchten sie uns in den Nöten unserer Zeit.

1 Kerze brannte bei der Gemeindewallfahrt auf dem Annaberg. 1 Erinnerung, dass das Licht Gottes auch heute auf unseren Wegen leuchtet.

Ab Montagabend brennen alle 6 Kerzen: „Habt keine Angst!“ spricht Gott uns durch sie Mut zu. „Ich bin bei euch alle Tage.“

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

18.10.2020: Gesichter in unseren Kirchen II

Häufig komme ich an diesem Gesicht vorbei, das sich an der Tabernakelstele in St. Amandus befindet. Es lädt mich immer wieder ein, “dahinter“ zu schauen:

  • Hatte der Künstler seinerzeit ein reales Vorbild für dieses Gesicht?
  • Wenn ja: Was mag das für ein Mensch gewesen sein - und welche Beziehung hatte der Künstler zu ihm?
  • Welche Botschaft wollte der Künstler dieser Figur wohl mitgeben?
  • War er am Ende mit seinem Werk zufrieden?
  • Hätte er sich vorstellen können, dass sich jemand auch nach so langer Zeit noch Gedanken über seine Arbeit macht?

In solchen Gedanken entsteht ein Dialog zwischen Künstler und Betrachter, auch wenn beide durch noch so viele Jahre oder gar Jahrhunderte getrennt sind.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

10.10.2020: Gesichter in unseren Kirchen I

Mein fast täglicher Gang in die Amanduskirche führt mich auch in die Kerzenkapelle, vor das Bildnis von Maria und Jesus. Wenn wir uns dann gegenseitig „in die Augen schauen“, ist das stets ein besonderer „Augenblick“: Ich empfinde den Blick von Maria und ihrem Sohn als sehr direkt, intensiv und nachgehend ... beeindruckend.

Wie erleben Sie den Blickkontakt mit „dieser“ Maria und „diesem“ Jesus?

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

03.10.2020: Ernte-Dank

mehr als nur den gabenschmuck
in den kirchen bestaunen

vielmehr ein gespür bewahren
für den rhythmus der jahreszeiten
für aussaat, wachstum und ernte
für hände, die säen und ernten

gottes schöpfung achten und alle kreatur
danken für guten boden
für sonnenschein und regenschauer

in freier natur einen tiefen atemzug nehmen
und dankbar ausatmen

  Heinrich Plaßmann, Pfarrer

26.09.2020: Wellenbrecher

Wellenbrecher – so lautete der Name von Besinnungs- und Entspannungstagen, die ich in der vergangenen Woche mit der Entspannungspädagogin Beate Bresser (Oer-Erkenschwick) auf der Insel Baltrum durchgeführt habe. Es war unsere inzwischen 16. Inselwoche dieser Art, allesamt angeboten über das Katholische Kreisbildungswerk Recklinghausen.

Entspannung ist eine Kunst … eine wohltuende Kunst, die man z.B. in Form des Autogenen Trainings oder der Progressiven Muskelentspannung erlernen kann. „Liegen ist Frieden“ – dieser Titel der Sängerin Elen wird da fast zum Programm, denn wer sich zu entspannen vermag, der tut nicht nur sich, sondern auch seinem Umfeld etwas Gutes.

Die Bibel bringt ebenfalls zum Ausdruck, wie sehr der Mensch neben aller Aktivität auch der Ruhe bedarf und sich dabei Gott überlassen darf, so z.B. wunderbar im Ps 23 (insbesondere in der neuen Bibelübersetzung):

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.

Für die 16 Personen auf Baltrum (Referenten inkl.) war die vergangene Woche auf alle Fälle ein Geschenk, das wir dankbar angenommen haben.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

19.09.2020: Ganz schön bunt

Wenn ich an die vergangene Woche zurückdenke, fallen mir spontan mehrere Dinge ein:

Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich ins Pfarrhaus eingezogen: Mein erster Jahrestag in Datteln!

Mich beeindruckt die Begegnung mit Menschen, die aus einem intensiven Glauben leben und getragen werden – und die schlicht und glaubhaft ins Wort bringen können, dass sie dafür dankbar sind.

Es ist schön, die Freude von Eltern zu erleben, deren Leben durch die Ankunft eines Kindes – auf willkommene Weise – auf den Kopf gestellt wurde.

Nach einem vorherigen Treffen, bei dem erste Weichen für die Wiederaufnahme der Messdienerarbeit gestellt wurden, folgte am gestrigen Freitagabend ein gemütlicher Abend mit den älteren Messdienerinnen und Messdienern unter freiem Himmel im Pfarrhausgarten.

Das Leben ist bunt: Gott sei Dank!.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

12.09.2020: Ehrenamt

… 2.600 Kindern eine Ferienfreizeit ermöglicht, 400 Betreuer an seiner pädagogischen Erfahrung teilhaben lassen, 8.000 Liter Milch eingekauft und zehntausende Kilometer mit dem eigenen Auto für das Ferienlager zurückgelegt … – Mit diesen beeindruckenden Zahlen hat das Küchen- und Betreuerteam der Ferienfreizeit Saalbach in einer Traueranzeige an Heiner Kastner erinnert, der seit 1996 die Ferienfreizeit verantwortlich durchgeführt hat und am heutigen Samstag beigesetzt wurde.

Menschen, die sich wie Heiner Kastner in hohem Maße ehrenamtlich engagieren, gibt es an vielen Orten unserer Gesellschaft: in Kirchengemeinden und Verbänden, in Sportvereinen und auch in der Politik. Auch die sozialen Netzwerke bieten neuerdings Räume für Engagement, wenn z.B. auf schnellem Wege solidarische Hilfsaktionen initiiert werden. Engagierte Menschen sind ein kostbarer Schatz und haben eine nicht zu unterschätzende Vorbildfunktion, aber sie müssen auch so manche und bisweilen ungerechtfertigte Kritik aushalten und einstecken.

Doch unsere Gesellschaft – und unsere Kirche – ist mehr denn je auf sie angewiesen.

Danke, liebe Ehrenamtliche! Schön, dass es Sie gibt!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

05.09.2020: Erbarmen

In einem Spendenaufruf finde ich beiliegend ein „Gebet für Beirut“, das mit den Worten beginnt:

Herr Jesus, hab Erbarmen mit uns und mit diesem Land, das von deinen Füßen berührt wurde!

Mir kommt ein anderes Gebet (aus dem 14. Jahrhundert) in den Sinn, das eine „vernünftige“ Antwort auf diesen „Erbarmen“-Ruf zu geben scheint:

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.

Zugleich denke ich, dass eine solche tätige Hilfe nicht alles ist – und Christus über unsere Hände hinaus Möglichkeiten hat, Erbarmen zu schenken. Ich stelle mir ein geistliches Berührtwerden vor, das Schöpfen aus einer Quelle, die in mir ist und doch nicht in mir allein ihren Ursprung hat … Der Himmel wird durchlässig und lässt mir Kraft zufließen …

Beirut braucht beides: Erbarmen durch tätige Hilfe – und die Kraft „von oben“.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

31.08.2020: Genau dieser Petrus

Da isser wieder, dieser Simon, den Jesus noch vor einer Woche im Sonntagsevangelium als Petrus – der Fels – bezeichnet, auf den er seine Kirche bauen will.

Da isser wieder, stürmisch, leidenschaftlich, wirft sich in die Bresche, ohne groß nachzudenken. Dabei wird spürbar, dass diese Messias-Sache noch etliche Nummern zu groß für ihn ist. Denn als Jesus seinen Gang nach Jerusalem und sein dortiges Sterben ankündigt, weist er ihn zurecht: Das soll Gott verhüten … (Mt 16,21-27).

Daraufhin handelt sich eine kräftige Abfuhr von Jesus ein: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Doch diese Abfuhr, diese Zurechtweisung ist keine Zurückweisung: Simon Petrus bleibt für Jesus die Zukunft, auf die er die Kirche bauen wird. Jesus lässt ihm die Zeit, in das Messias-Geheimnis hineinzuwachsen.

Am Ende seines Lebensweges wird dieser Apostel um Jesu Willen den Märtyrertod sterben.

Da isser wieder, dieser Simon, stürmisch, leidenschaftlich, wirft sich in die Bresche, ohne groß nachzudenken. Und auch an ihm zeigt sich Gottes langer Atem.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

23.08.2020: In Gedanken

Ich stelle mich in Gedanken zwischen Petrus und die anderen Jünger.

Ihr aber, für wen haltet ihr mich? fragt Jesus.

Petrus antwortet: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

Wir nicken zustimmend und fühlen: Es ist wahr!

Doch die Jünger werden sich bei der Verhaftung Jesu zerstreuen und Petrus wird ihn verleugnen.

Wieder stehe ich in Gedanken zwischen ihnen, spüre in ihrem Handeln meine eigenen Zweifel und meine Überforderung.

Wir sind so menschlich, alle miteinander.

Und Jesus lächelt: Ich weiß. Aber euch und allen Getauften vertraue ich das Evangelium an.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

15.08.2020: Dancing Queen

In der Ahauser Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt hat der Künstler Georg Meistermann für die dortige Turmkapelle ein zu ihrem Patronat passendes Fensterbild geschaffen. Da die Kirche heute, am 15. August, das Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ feiert, möchte ich zwei Gedanken zu dieser Darstellung mit Ihnen teilen:

Vom Altar aus haben der Priester und die übrigen liturgischen Dienste dieses Fensterbild stets im Blick, ebenso die Gemeinde, wenn sie die Kirche verlässt. Man geht dort also immer wieder der Zukunft entgegen, die uns allen einmal „blüht“: die Aufnahme in den Himmel, Auferstehung. Was für eine Aussicht!

Im Laufe meiner Ahauser Jahre habe ich diese Darstellung Mariens – in Anlehnung an das Lied der Gruppe ABBA – „Dancing Queen“ („Königin des Tanzes“) getauft: Ihre Haltung vermittelt tänzerische Anmut und Leichtigkeit. Maria tanzt dem Himmel entgegen. Was für eine Aussicht!

Tage mit guter Aussicht wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.08.2020: LichtSpiel

Es geschehen schlimme Dinge in der Welt, häufig aufgrund der Fahrlässigkeit von Menschen: die verheerende Explosion in Beirut, aus einem havarierten Tanker vor Mauritius läuft Öl aus), die jetzige Hitzewelle ruft uns einmal mehr den Klimawandel in Erinnerung …

Es geschehen schlimme Dinge in der Welt, vor denen ich nicht die Augen verschließen kann. Sie machen vieles frag-würdig: Wie geht es weiter mit dieser Welt? Wie kann ich in dieser Zeit auf angemessene Weise das Evangelium – die Frohe Botschaft – verkünden?

Es geschehen schlimme Dinge in der Welt, tagtäglich.

Und dann komme ich am Morgen in die Amanduskirche und erlebe das sorglose Spiel des Lichtes, das durch die bunten Fenster in die Kirche fällt.

Das ist vielleicht nur ein Staubkorn auf der Seite der Waage, die für das Gute und Schöne in der Welt steht. Aber ich erfreue mich an diesem Staubkorn, möchte es nicht übersehen haben – und teile es gern.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

02.08.2020: Arbeitszeit, bunt und berührend

Mein Beruf als Priester (und Pfarrer) ist sehr vielfältig. Gerade in den vergangenen Wochen war wenig von Sommerferien(pause) zu spüren und ich in unterschiedlichste Arbeitsfelder eingebunden. Ich schätze diesen abwechslungsreichen (manchmal aber auch anstrengenden) Aspekt meiner Tätigkeit. Allein aus den letzten Tagen könnte ich mehrere Dinge aufführen, die entweder „besonders“ waren oder mir einfach viel Freude bereitet haben.

Und z.B. im Sonnenschein die Fußpilgerstrecke zum Annaberg mit dem Fahrrad vorab mal abzufahren, an der schönen Kanallandschaft Richtung Haltern (und zurück) entlang, das ist als „Arbeitszeit“ fast schon purer Luxus …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

25.07.2020: Mühselige Suche nach Rosinen

Die jüngste Verlautbarung aus dem Vatikan stammt von der Kleruskongregation und trägt den kirchischen Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“.

Um Umkehr, Missionierung und Pfarrgemeinde geht es auch, doch legt die „Instruktion“ einen Schwerpunkt auf die Rolle des Pfarrers, die in deutlicher Abgrenzung zu den Laien gesehen wird: In Laienhänden darf nichts auch nur annähernd in Richtung Leitung einer Gemeinde gehen, da diese allein dem Pfarrer obliegt.

Entschuldigung, wenn ich manches sehr polemisch wiedergebe, aber das Schreiben ärgert mich,

… weil es für die Weltkirche etwas regeln will, aber nicht im Blick hat, wie unterschiedlich weltweit Pfarrer ihre Rollen ausüben müssen. Aber in Rom meinte man, auf die Rücksprache mit den Ortskirchen und Ortsbischöfen gut verzichten zu können.

… weil es ein Schlag ins Gesicht vieler engagierter Frauen und Männer in unserer Kirche ist, die bereit und fähig sind, Verantwortung zu übernehmen. Ich verzichte an diseer Stelle bewusst auf das Wort Mitverantwortung.

… weil es keine Klerikalisierung will, ihr zugleich aber den Weg bereitet und so Wasser auf die Mühlen derer sein könnte, die es aufgrund ihres priesterlichen Standes nicht für nötig halten, auf andere zu hören und sich raten zu lassen. Auch die gibt es nämlich! Und damit wären wir wieder bei der ungelösten Frage nach dem Machtmissbrauch …

… weil es z.B. bei der Frage des anstehenden Ruhestandes die Pfarrer doch arg in Watte packt. Es wäre schön gewesen, wenn man in gleicher fürsorglicher Weise auch die vielen anderen engagierten Frauen und Männer im Blick gehabt hätte. Aber es handelt sich ja schließlich um ein Schreiben der Kleruskongregation, es ist also quasi Lobbyarbeit.

Nur wer übernimmt jetzt die Lobby-Arbeit für alle anderen?

Interessant war, dass dieses Dokument im Umfeld des Festes der Hl. Maria Magdalena, der „Apostelin der Apostel“ (22. Juli), veröffentlicht wurde. Ich frage mich: Welche Chance hätte die Apostelin Maria Magdalena wohl heute, angesichts solcher Instruktionen, in der Kirche Gehör zu finden?

Manchmal ist es mühsam, aus solchen Texten die Rosinen und sinnhaften Abschnitte herauszupicken, die es zweifellos auch gibt.

Immerhin ärgere ich mich noch, denn mir liegt etwas an „meiner“ Kirche, unter deren Dach ich seit meiner Kindheit viel Gutes und Bleibendes erlebt habe und in der ich nach wie vor mit Leidenschaft tätig bin … aber sie macht es mir nicht immer leicht.

Ich es ihr womöglich aber auch nicht …

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

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