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11.01.2020: Frei geben - Freigeben

Viele Begegnungen und Gespräche vermitteln mir auch in unserer Gemeinde, wie vielfältig die seelsorgliche Arbeit aufgestellt ist: in der Schule, ums Kolumbarium, im Krankenhaus, in der Kinderklinik … Es gibt Kontakte zu Menschen, die dauerhafte Beziehungen schaffen, andere bleiben einmalig oder beschränkt auf Sondersituationen wie Taufen, Krisen, Trauer …

Mensch, was brauchst du? Diese Frage gewinnt zunehmend an Gewicht gegenüber der Frage, wie wir möglichst viele Menschen für das Gemeindeleben gewinnen können. Mensch, was brauchst du? Wenn wir auf diese Frage, in den vielfältigen Begegnungen, zu einer guten Antwort und zu einem guten Handeln finden, ergibt sich daraus alles andere.

Ich fühle mich immer wieder an einen Impuls aus einem Buch über die Pastoral in Frankreich erinnert: Jesus hat den Menschen, die zu ihm kamen, frei gegeben, bedingungslos. Und dann hat er sie freigegeben: Sie mussten nicht mit ihm gehen, sondern konnten heimkehren. Manchen legte er sogar auf, zu schweigen über das, was er heilsam an ihnen gewirkt hatte.

Mensch, was brauchst du? Frei geben, dann freigeben … wie Jesus. So denken, so handeln, das entlastet und befreit zugleich. Und obendrein können wir uns mit dem Gedanken vertraut machen: Gott ist möglicherweise schon längst da am Werk, wo wir meinen, ihn erst noch hintragen zu müssen.

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

11.01.2020: Kommt - und seht!

Und wenn wir dann gesehen haben …

… was haben wir eigentlich gesehen?

Hat es Eindruck gemacht?

Wollen wir davon reden, es anderen weitererzählen?

 Prägt es sich uns unvergesslich ein?

Gott ist Mensch geworden ...

Oder haben wir etwas gesehen, das nicht mehr war wie flüchtiger Augenblick?

Ein Kind in einer Krippe ...

Mit dem Fest Taufe des Herrn endet die Weihnachtszeit. Unsere Krippen aber stehen noch bis ca. Ende Januar in den Kirchen.

Die Einladung bleibt bestehen:

Kommt - und seht!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

04.01.2020: Eine Frage der Perspektive

Da dies meine erste Weihnachtszeit in Datteln ist, habe ich die Freude, auch neue Krippen kennenzulernen. Heute waren es die Krippenfiguren in St. Josef, die mir besonders ins Auge gefallen sind.

Da sind z.B. "die 2", noch unterwegs zur Krippe: Mit welchen Gedanken und Themen mögen sie sich gerade beschäftigen? Sind sie noch ganz bei sich, bei ihrem Alltag, oder hat sie bereits die Botschaft des Engels in Beschlag genommen?

Die Gesichter der Figuren sind nicht einfach starr. SIe verändern sich, je nach Standpunkt und Perspektive, ob sie noch unterwegs oder schon an der Krippe angekommen sind, ob sie allein dastehen oder miteinander in Kontakt treten ... Davon abhängig kann man ihnen unterschiedliche Emotionen und Dialoge zuschreiben.

Versuchen Sie es doch mal selbst: Sehen Sie den Figuren ins Gesicht, setzen Sie sie in Beziehung zueinander und zur Krippe ... und lassen Sie sie ins Erzählen kommen.

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

24.12.2019: "I´ll follow you tonight"

Auf dem Weg zum Gottesdienst heute um 17.30 Uhr in Ahsen (und weil´s so passend war, auch auf dem Heimweg) spielt meine Playlist im Auto ein Lied mit dem Titel „I´ll follow you tonight“. Wie passend an der Schwelle zum Heiligen Abend, denke ich, Ich werde dir in dieser Nacht folgen … zu jeder Türschwelle, auf jeden Flur ... Ich nehme die Einladung an und folge den Spuren des göttlichen Kindes in die Nacht hinein, so gleich in der Christmette um 22 Uhr.

Meine Gedanken gehen zu einer anderen Nacht, zur Nacht vom Gründonnerstag auf den Karfreitag, wenn die Einladung lautet: „Bleibet hier, wachet mit mir“. Ich werde dir in dieser Nacht folgen …

Doch in der heutigen Nacht schallt es: „Kommt, lasset uns anbeten …“ Ich werde dir in dieser Nacht folgen …
Ich wünsche Ihnen – in den Spuren, die auch die Nächte des Heilands von Beginn an auf Erden hinterlassen – ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

22.12.2019: Laut & Leise

Es ist beeindruckend, ein Musikstück wie „Highland Cathedral“ in einer Performance von fast 100 Musiker/-innen zu hören, inkl. Dudelsack und Drums, mit Pauken und Trompeten … wie gerade frisch erlebt bei den „Musikern für eure Herzen“ in St. Amandus. Der ganze Kirchenraum füllt sich mit Musik.

Mich fasziniert aber auch, dass sogar nur eine einzige Stimme, nur ein einziges Instrument einen Kirchenraum zu füllen vermögen. Im Wechselspiel von Flöte und Sologesang war das gerade ebenso zu erleben.

Masse beeindruckt: die schiere Größe, das funktionierende Zusammenspiel, die vielen Klangfarben … Doch mit Blick auf das kommende Weihnachtsfest fühle ich mich durch das Weniger bestärkt, meine Hoffnung auf einen Erlöser zu setzen, der als wehrloses Kind in einem Stall geboren wird. Noch weniger geht fast nicht … doch es reicht, um den Erdkreis zu füllen.

Einen guten adventlichen Ausklang wünscht Ihnen

Heinrich Plaßmann, Pfarrer

14.12.2019: Aufblühen

Wenn etwas aufbricht, wird es spannend! Das habe ich in den vergangenen beiden Wochen bei mehreren Besuchen in der „Adventslounge“ erleben dürfen:
Ich bin mit einigen Menschen intensiver ins Gespräch gekommen, auch mit auswärtigen BesucherInnen. Die anfängliche Fremdheit brach auf, es wuchs eine Vertrautheit, die mir eine Teilhabe an beeindruckenden Lebensgeschichten schenkte. In diesen kurzen und eigentlich zufälligen Begegnungen blühte das Leben auf.
Es ist eine Erfahrung, die sich viel stärker noch im Leben Jesu von Nazareth spiegelt: In vielen seiner oft kurzen und beinahe zufälligen Begegnungen mit Menschen blüht das Leben auf! Häufig ist dieses Aufblühen kein Strohfeuer: Begegnungen mit ihm verändern Menschenleben nachhaltig.
Das Schöne dabei ist: Das geschieht bis heute, bis in unsere Zeit hinein …
Heinrich Plaßmann, Pfarrer

09.12.2019: Im Kleinen

Es braucht nicht immer große Worte und lange Texte. Auch Kleinigkeiten können aufmerken und „am Rande, gar beiläufig Aufgeschnapptes“ kann staunen lassen … In dieser Rubrik möchte ich Sie wöchentlich – in der Regel am Samstag oder Sonntag – auf eine kleine Reise mitnehmen: Lassen Sie uns Spurensucher sein, die Gottes Handschrift entdecken: Sie kann zart sein, fast durchsichtig, und doch allgegenwärtig.


Heinrich Plaßmann, Pfarrer

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