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Zur Unterbringung von Flüchtlingen in Datteln

Das Thema "Neubau von Flüchtlingunterkünften" ist nicht mehr nur in den politischen Gremien der Stadt ein Thema, sondern wird auch in der Öffentlichkeit, z.B. in der Berichterstattung der Dattelner Morgenpost  behandelt.

Im Namen und als Koordinatoren des Ökumenischen Aktionskreises Asyl haben Pastoralreferentin Maria Hölscheidt und Pfarrer Christian Hüging gegen den Neubau einer Flüchtlingsunterkunft an der Markfelder Straße die unten beigefügte Stellungnahme verfasst, die auf der letzten Sitzung des Pfarreirates der Kirchengemeinde St. Amandus und auch im Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Datteln so beschlossen wurde.

Alle am Ende der Stellungnahme genannten Institutionen haben das Original unterschrieben.

Die Stellungnahme wurde bereits als E-Mail an den Bürgermeister, die Ratsmitglieder und Ausschussmitglieder versandt.

Das Thema „Asylbewerberunterkünfte“ steht auf der Tagesordnung folgender Sitzungen in der nächsten Woche:

- im Ausschuss für Soziales, Sport und Freizeit am 21.6. 2016 um 15.00 im Sitzungssaal des Rathauses,
- im Ausschuss für Stadtentwicklung am 21.6.2016 um 16.00 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses,
- in der Ratssitzung am 22.6. 2016 um 16.00 in der Stadthalle.

Alle Sitzungen sind öffentlich! Es ist sicherlich sinnvoll durch eine starke Präsenz dort dem Thema Gewicht zu geben! Wer Zeit hat, möge doch mal die Diskussion mitverfolgen.

Die Protestnote “Ich erwarte“ kann gerne genutzt werden, um persönlich dem Bürgermeister oder Ratsmitgliedern die eigene Meinung kundzutun - schriftlich oder per E-Mail.

Wir hoffen, dass wir mit unserem Widerspruch und unseren Argumenten helfen, dass Flüchtlinge mit uns gemeinsam leben können und nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

 

Stellungnahme zur Unterbringung von Flüchtlingen in Datteln


An den Rat der Stadt Datteln
z. H. Herrn Bürgermeister André Dora

An die Vorsitzenden der Ratsfraktionen


Sehr geehrte Damen und Herren,

in den vergangenen zwei Jahren haben Politik und Verwaltung in Datteln in konstruktiver Weise verschiedene Möglichkeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen in unserer Stadt geschaffen: Mehrere Standorte mit kleinen oder mittelgroßen Sammelunterkünften wurden hergerichtet und bereitgestellt. Ferner wurden viele Wohnungen auf dem freien Markt akquiriert, um insbesondere Flüchtlingsfamilien dezentral unterzubringen.

Die hohe Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge stellte im zweiten Halbjahr 2015 eine große Herausforderung dar. Die Stadtverwaltung hat diese drängende Aufgabe erfolgreich bewäl-tigt und konnte dabei auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung zurückgreifen.

Seit Anfang 2016 sind die Zuweisungen von Flüchtlingen deutlich zurück gegangen. Jedoch ist das Thema „Zuwanderung“ erkennbar eine dauernde Aufgabe jeder Kommune geworden. Es ist ziemlich sicher, dass auch in naher und weiter Zukunft Asylsuchende nach Datteln kommen werden und in unsere Lebenswelt integriert werden müssen. Die Stadt muss mit ihrer Verwaltung und mit der Bevölkerung eine nachhaltige Lösung für diese Aufgabe finden.

In seiner nächsten Sitzung stellt der Rat der Stadt die Weichen für die Standorte der zukünftigen Unterbringung und damit auch für ein gedeihliches Miteinander-Leben.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass Politik und Verwaltung die derzeit ruhige Phase nutzen wollen, um ein langfristiges Konzept zur Unterbringung von Asylsuchenden in Datteln zu entwickeln und umzusetzen. Und wir sehen, dass das Thema „Integration“ in Datteln als gemeinsame Aufgabe angegangen wird.

Wir erwarten, dass Stadtrat und Verwaltung Migrantinnen und Migranten zukünftig so unterbringen werden, dass sie sich möglichst schnell integrieren können. Wir bitten hiermit die Parteien und Mitglieder des Stadtrates, auf dieses Ziel hin zukunftsfähige und menschen-freundliche Entscheidungen zu treffen und bald umzusetzen.

Ausgesprochen hilfreich und wirksam bei der Integration sind Nachbarschaften an den Unterkünften, die wie „Paten“ oder „Lotsen“ den Asylsuchenden helfend zur Seite stehen, kultu-relle Brücken bauen und Anknüpfungspunkte bieten. Dazu gibt es in der Dattelner Bevölkerung nach wie vor eine große Bereitschaft.

Aufgrund einer vorhandenen Nachbarschaft halten wir das Gelände der früheren Gustav-Adolf-Schule als Standort für eine neue Unterkunft für besonders geeignet. Ein Gebäude in der geplanten Festbauweise, das später bei Bedarf mit geringem Aufwand in Sozialwohnun-gen umgewandelt werden kann, macht Sinn. Wir bitten Sie dringend, diesem neuen Standort vor allen anderen die Priorität zu geben.

Wir begrüßen alle Pläne, die Migrantinnen und Migranten und Dattelner Bürgern einen direk-ten Kontakt zueinander erleichtern!

Ganz im Gegensatz dazu steht der Standort Markfelder Straße 6. Mit Blick auf Integrations-möglichkeiten ist es nicht zielführend, an ihm festzuhalten, denn hier leben Flüchtlinge auf der anderen Seite des Kanals und sind von jeglicher Nachbarschaft getrennt. Es fehlen Anwohner, die Unterstützung und Hilfe geben können, die Obacht geben und damit ggf. einen gewissen Schutz vor möglichen Übergriffen bieten.

Nach wie vor widersprechen wir daher vehement der Ansicht, der Standort Markfelder Straße wäre geeignet zur Unterbringung von Flüchtlingen! Eine neue Bebauung und weitere Nutzung dieses Standortes ist nicht nur hinsichtlich der Integrationsmöglichkeiten hinderlich, sondern wäre darüber hinaus ein falsches Signal an die Bevölkerung und eine politisch bedenkliche Aussage in der Öffentlichkeit, denn im Kern würde die Botschaft vermittelt: „Wir wollen mit Fremden nicht zusammen leben und uns nicht mit ihnen auseinandersetzten. Wir halten sie am besten auf Abstand.“

So ein Eindruck darf auf keinen Fall entstehen. Mit dieser Botschaft fiele die Politik hinter ihre eigenen Ziele im Bemühen um Integration zurück und würde das Engagement der Bürgerinnen und Bürger unterlaufen und enttäuschen.

Wenn Flüchtlinge nicht unter den Einheimischen wohnen dürfen, werden die Integrationsbemühungen der Bevölkerung behindert, und es wird der Entstehung von Parallelgesellschaften Vorschub geleistet. Überhaupt ist und bleibt die Unterbringung von Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Schießplatz mit regelmäßigem Schießbetrieb unwürdig, was auch über unsere Stadtgrenzen hinaus so wahrgenommen wird. Auf die Problematik einer Retraumatisierung von traumatisierten Menschen durch den Schießbetrieb wurde bereits in der Stellungnahme vom März 2014 ausführlich hingewiesen. Darin sehen wir noch immer eine Vernachlässigung der gesundheitlichen Fürsorgepflicht seitens der Stadt, die bereits 2014 von Dattelner Ärzten in ungewöhnlich scharfer Weise kritisiert wurde. Die damals vorgebrachten Argumente haben noch immer Gewicht und Gültigkeit.

Daher ist es jetzt geboten, mit den anstehenden Entscheidungen für eine integrationsfördernde Unterbringung vom Standort Markfelder Straße Abschied zu nehmen.

Wir bitten Sie dringend:

  • Geben Sie den Standort Markfelder Straße auf! Endgültig!
  • Treffen Sie mutige und richtungsgebende Entscheidungen, so dass die Unterbringung von Flüchtlingen in Datteln auf integrationsfördernde Weise geschieht.
  • Geben Sie den Standorten Priorität, an denen Integrationsschritte und Gemeinschaft am leichtesten zu verwirklichen sind und beginnen Sie dort mit der Umsetzung.
  • Planen und bauen Sie nach den Richtlinien, die die Wohlfahrtsverbände für eine menschenwürdige Unterbringung entwickelt haben. Gewährleisten Sie Spielräume für Kinder und Sozialräume für Erwachsene.
  • Nehmen Sie die Bürgerinnen und Bürger mit auf den Weg zu Integration und gelebter Gemeinschaft und entscheiden Sie nicht mit Rücksicht auf populistische Forderungen, sondern nach notwendigen Konsequenzen für eine gute Entwicklung in unserer Stadt.

Datteln, den 14. Juni 2016

- Kath. Pfarrgemeinde St. Amandus
- Ev. Kirchengemeinde Datteln
- Kath. Pfarrgemeinde St. Dominikus
- Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
- Sozialdienst katholischer Frauen
- Dr. Peter Mönninghoff (für die Dattelner Ärzteschaft)
- Moderationsteam des Ökum. AK Asyl

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Kontakt

Pfarrbüro St. Amandus
Kirchstraße 25, 45711 Datteln
Tel.:   02363/5652-0
Fax:    02363/5652-21
E-Mail: stamandusdatteln(at)bistum-muenster.de

Öffnungszeiten des Pfarrbüros:

Montag 9:00-12:00 15:00-17:00
Dienstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Mittwoch 9:00-12:00  
Donnerstag 9:00-12:00 15:00-17:00
Freitag 9:00-12:00  

Im Notfall

Sollten Sie in einem dringenden Fall (Krankensalbung, Sterbefall) einen Seelsorger benötigen, können Sie sich an die Pforte des Krankenhauses (Tel.: 02363/108-0) wenden, die Sie an einen Priester weitervermitteln kann.

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