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"Meine besten Predigten hat keiner gehört"

Freut sich auf die neue Herausforderung: Pfarrer Heinrich Plaßmann. -Foto: balint

DATTELN. Heinrich Plaßmann ist neuer Pfarrer für die St.-Amandus-Gemeinde. Zuvor war er lange Zeit im Münsterland tätig.

Von Sarah Kuhlmann

Die St.-Amandus-Gemeinde hat ein neues Gemeindeoberhaupt: Am Sonntag, 6. Oktober, wird Pfarrer Heinrich Plaßmann offiziell in das Amt des Pfarrers eingeführt.

In den letzten Wochen war er mit dem Umzug in die neue Gemeinde beschäftigt. Zuvor hatte Plaßmann elf Jahre in Ahaus gearbeitet und freut sich jetzt auf alles, was kommt. "Es war schon mein Wunsch, mit Mitte 50 noch einmal die Gemeinde zu wechseln", sagt er. "Aber der Vorschlag, nach Datteln zu gehen, kam dann doch überraschend und unerwartet." Nun sind die Kartons ausgepackt, lediglich das Telefon in seinem neuen Büro ist noch nicht angeschlossen.

Pfarrer zu werden war schon immer Plaßmanns Berufswunsch. "Das war mein einziger, ernsthafter Wunsch", erinnert er sich. "Ich war quasi alternativlos." Er stamme aus einem religiösen Elternhaus und ist jahrelang Messdiener gewesen. "Wenn mir eine Predigt nicht gefallen hat, habe ich sie in meinem Kopf geändert", so Plaßmann. "Meine besten Predigten hat keiner gehört." Das Abwechslungsreiche und die unterschiedlichen Bereiche seien das, was den Beruf für Plaßmann so "interessant, spannend und belebend" machen. Auch jetzt freut er sich darauf, sich in Datteln einer neuen Herausforderung zu stellen. "Noch bin ich als Entdecker unterwegs." Es sei spannend, die vielen Eindrücke einer neuen Stadt zu sammeln. "Und ich habe nicht das Gefühl, dass Datteln mir die kalte Schulter zeigt." Die genauen Schwerpunkte seiner Arbeit in Datteln könne er jetzt noch nicht benennen, es wird wohl ein "Spagat zwischen Verwaltung und Seelsorge" sein.

Die Diskussion über die Umbenennung des Pfarrheims St. Amandus hat er mitverfolgt und findet, man habe "mit all den Fragezeichen eine kluge Lösung gefunden, um auch künftigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen." Was die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche betreffen, tue sich mittlerweile einiges, um weitere Fälle zu verhindern: "Jede Gemeinde entwickelt derzeit ein Schutzkonzept, um sich gut aufzustellen", sagt Plaßmann. "Aber das fällt nicht einfach vom Himmel, sondern ist zeitraubend."

Für "durchaus berechtigt" hält er zudem die Frauenbewegung Maria 2.0. "Schon immer mussten Frauen für ihre Rechte kämpfen." Alleinlebende Männer hätten die meiste Macht in der Kirche. "Da stellt sich die Frage, wo bleiben die anderen 50 Prozent? Die Frauen sind die, die sich am meisten engagieren, die, die noch Kirche sind."

Für seine kommende Zeit als Pfarrer für St. Marien Ahsen, St. Joseph und St. Amandus mit etwa 11.700 Gemeindemitgliedern wünscht sich Plaßmann, "dass ich weiter mit Freude meinen Dienst tun kann, auch wenn die Traditionen fraglicher und die Kirchen leerer werden. Ich bin mit viel Freude und Überzeugung dabei - und der Rest wird sich zeigen."

INFO Amtseinführung Heinrich Plaßmann, Sonntag, 6. Oktober, 11 Uhr, St.-Amandus-Kirche

InfoKasten:

 Heinrich Plaßmann wurde 1965 in Beckum geboren. Dort hat er sein Abitur gemacht und anschließend für viereinhalb Jahre in Münster und ein Jahr in Würzburg Theologie studiert. Nach dem Studium hat er für eineinhalb Jahre in Vreden eine Praktikantenstelle gehabt, bis er ein Jahr in Moers als Diakon tätig war. 1993 wurde er zum Priester geweiht und hat anschließend vier Jahre als Kaplan in Bottrop-Kirchhellen gearbeitet. Die Zeit von 1997 bis 2000 hat er im Ostvest verbracht und zwar in Oer-Erkenschwick als Kaplan. Danach ging es für acht Jahre ins Münsterland als Diözesanpräses beim Kolpingwerk Diözesanverband Münster und als Pastor in Coesfeld. Zuletzt war er elf Jahre in Ahaus tätig, seit 2008 zunächst Pfarrverwalter, dann Pfarrer in Ahaus und zwischenzeitlich Dechant des Dekanates Ahaus. Offiziell wird Pfarrer Heinrich Plaßmann am kommenden Sonntag in sein Amt eingeführt.

Dattelner Morgenpost vom 2. Oktober 2019 

 

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