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Kirche wird zum Kolumbarium umgebaut

Pfarrer Martin Limberg ist begeistert von dem Architektenentwurf für die St.-Antonius-Kirche.

Datteln. "Ich bin ein Verfechter von Fusionen – jedenfalls auf Stadtgebiet", sagt Martin Limberg, seit zwei Jahren Pfarrer in St. Amandus in Datteln. Er war gerade drei Monate neuer Seelsorger in der Gemeinde, da stand die Zusammenlegung an. 12.500 Gläubige leben in St. Amandus. Vier Kirchen stehen noch zur Verfügung. Am Samstag (27.10.2012) wird eine, die St.-Antonius-Kirche, profaniert. Anschließend wird sie zu einem Kolumbarium – einem Urnenfriedhof – umgebaut.

"Bei einer Fusion ist es immer schwierig, Abschied von der gewohnten Heimat zu nehmen. Aber die Menschen erhalten auch eine neue Heimat. Diese ist dann eben einen Kilometer weiter entfernt", sagt der 43-Jährige und führt weiter aus: "Wir haben uns in allen Gemeindeteilen bemüht, das Bestehende aufrecht zu erhalten – wie zum Beispiel die Gottesdienstzeiten." Wichtig sei es, das Vertrauen der Gemeindemitglieder zu gewinnen, ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen. "Dann sind sie auch bereit, Entscheidungen mitzutragen, die durch die Gremien getroffen werden", ist er sich sicher.

Nach zwei Jahren hätten sich in den verschiedenen Gemeindeteilen Schwerpunkte herauskristallisiert. "Viel ist durch das konkrete Miteinander entstanden", sagt er. So gibt es beispielsweise Sachausschüsse des Pfarrgemeinderats wie "Gemeindeentwicklung" oder "Neue Wege". "Wir haben uns mit dem Pastoralplan des Bistums beschäftigt und festgestellt, dass vieles in unserer Pfarrei bereits umgesetzt ist. Er ist für uns eine Motivationsgrundlage, die wir mit Leben füllen." Der Pastoralplan biete einen klaren Fokus und ein klares Raster.

Die St.-Amandus-Kirche, die renoviert wurde, ist das Zentrum der Pfarrei. Die zentralen Festgottesdienste wie Christmette, Osternacht, Spendung des Sakratments der Firmung und Feiern zur ersten heiligen Kommunion finden in dem Gotteshaus statt. Die weiteren Gottesdiensträume sind die St.-Marien-Kirche in Datteln-Ahsen, die St.-Josef-Kirche sowie die Kapelle des Krankenhauses. "Alle haben einen unterschiedlichen Charakter und eine unterschiedliche Größe", berichtet Limberg. Das Spektrum reiche von 500 Plätzen in der St.-Amandus-Kirche bis zu 70 Plätzen in der Emmaus-Kapelle im St.-Vincenz-Krankenhaus.

"Das Umfeld der St.-Josefs-Kirche ist stark von der Jugend geprägt. Dort hat unser Pastoralreferent sein Büro, der zudem für die Schulen zuständig ist. Wir werden in St. Josef ein Jugendheim einrichten und speziell alternative Gottesdienste wie beispielsweise eine liturgische Revue anbieten", berichtet Limberg.

Zentrum für Kinder und Familien ist St. Amandus. "Im Gottesdienst um 11 Uhr gibt es jeden Sonntag eine Kinderkatechese. Das wurde in anderen Gemeindeteilen früher auch gemacht, aber nur einmal im Monat." Ebenso wird an der Innenstadtkirche das neue Pfarrheim entstehen, das bereits vor der Fusion geplant war, aber durch diese gestoppt wurde.

Die St.-Marien-Kirche in Ahsen liegt sieben Kilometer außerhalb der Stadt. "Es gibt einen schönen Garten und einen schlaunschen Saal. Er bietet sich beispielsweise für Ehevorbereitungskurse an. Ahsen ist das Erholungszentrum von St. Amandus. Wir haben in den Ferien eine Stadtranderholung für Kinder angeboten, die Jugendlichen haben in der Natur Gottesdienst gefeiert, und die Ehrenamtlichen haben beim Dankeschönfest gegrillt", kennzeichnet er diesen Teil der Gemeinde.

"Mit den angebotenen Gottesdienstzeiten nehme ich in der Gemeinde eine hohe Beweglichkeit wahr", hat Limberg beobachtet. Froh ist er darüber, dass in allen Pfarrbezirken Nachmieter für bestehende Gebäude gefunden wurden, die zu den einzelnen Schwerpunkten passten.

Das Thema Tod und Trauer wird künftig im Gemeindebezirk St. Antonius einen Schwerpunkt bilden. Mit dem Kolumbarium erhält die Pfarrei ihren ersten kirchlichen Friedhof. "Die Bestattungskultur verändert sich. Wir müssen als Kirche eine Alternative bieten, wie Menschen ihre Angehörigen wertschätzend beerdigen können", betont Limberg. Früher habe sich die Kirche gegen die Einäscherung ausgesprochen.  "Doch beide Formen enden gleich: im Erdreich. Nur bei der Erdbestattung ist es sofort sichtbar. Bei der Urne erst nach frühestens 15 Jahren, wenn die Asche der Verstorbenen ins Erdreich des Kolumbariums – bei uns dann in das große Feld der ewigen Ruhe – kommt", erklärt der 43-Jährige. Unter diesem christlichen Aspekt könne er den Umbau gut bejahen.
 
Angetan war Limberg von den Ideen der Architekten. Das Büro Feja+Kemper aus Recklinghausen hatte den ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. "Das Grundraster und die Theologie, die dahinter stehen, sind klar. Wo heute der Altar ist, wird das Feld der ewigen Ruhe entstehen. Das heißt, wo wir Tod und Auferstehung gefeiert haben, ist das Grab", erklärt Limberg. Dort, wo noch der Taufbrunnen steht, wird ein Verabschiedungs- und Versammlungsraum mit 100 Plätzen eingerichtet. Das Konzept mache deutlich, dass die Kirche nun ein Friedhof sei, der aber an das anknüpfe, was 50 Jahre lang in den Sakramenten gefeiert worden sei. "Das künftige Kolumbarium wird hell und lichtdurchflutet werden. Das kann den Menschen Trost geben", sagt Limberg.

Die Pfarrei wird das neue Kolumbarium, das über mindestens 650 Urnenkammern verfügen wird, selbst betreiben. "Im Moment kalkulieren wir noch die Preise", informiert Limberg. Er hofft, dass das Kolumbarium im November 2013 eröffnet werden kann. "Ich denke, dass wir mit diesem Prozess, in dem wir uns befinden, die Themen Trauerkultur und Begräbnisriten wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen bringen", sagt Limberg. Mit neuen Angeboten wird dies auch ein Schwerpunkt im Gemeindebezirk St. Antonius werden. Gleichwohl weiß er um die Trauer der Menschen, die ihren Gottesdienstraum mit der Profanierung verlieren.

Mit verschiedenen Gottesdiensten hat die Gemeinde in den letzten Wochen Abschied von der St.-Antonius-Kirche genommen, die am Samstag (27.10.2012) profaniert wird. Einen Tag später wird in der St.-Amandus-Kirche nach vier Monaten Umbau die erste heilige Messe zu Ehren des heiligen Amandus gefeiert. "Wir bauen eine neue Gemeinde auf, in der die Vergangenheit natürlich ihren Platz in der Pfarrkirche hat", erklärt der Pfarrer.

 

Bildunterschrift:

Pfarrer Martin Limberg ist begeistert von dem Architektenentwurf für die St.-Antonius-Kirche.

 

Text und Foto: Michaela Kiepe, Kirche + Leben, 25.10.2012
http://kirchensite.de/aktuelles/aus-den-regionen/aus-den-regionen-news/datum/2012/10/25/kirche-wird-zum-kolumbarium/

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