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Kirche droht mit Aus für Kindergärten

Datteln. Da bekommen die Politiker im Jugendhilfeausschuss am Donnerstag nächster Woche ein Angebot auf den Tisch, das sie kaum ablehnen können. Die katholische Kirche will mehrere hunderttausend Euro in die Sanierung ihrer Kindergärten St. Josef und St. Amandus investieren, falls die Stadt 160 000 Euro dazu tut. Lehnt die Stadt ab, müssten beide Einrichtungen schließen.
Das machten Vertreter der Gemeinde, darunter Pfarrer Martin Limberg, der kirchlichen Zentralrendantur sowie Dieter Hilgenberg, Haushaltsexperte des Bischöflichen Generalvikariats Münster, der Stadtverwaltung unmissverständlich klar. Für die Stadt mit am Verhandlungstisch: der berufsbedingt knauserige Kämmereileiter Hans-Jürgen Büker. Er vertrat den Standpunkt, dass die Stadt freiwillige Ausgaben wie Sanierungskosten-Zuschüsse nicht mehr ohne Weiteres tätigen dürfe – nachzulesen in einem Protokoll, das nun der Jugendhilfeausschuss bekommt.
Zudem weigerte sich Stadtkämmerer Dieter Kobe noch nach der Tacheles-Runde mit der Kirche, die Politik über große Geldausgaben entscheiden zu lassen, bevor die Finanzexperten der Gemeindeprüfungsanstalt in Herne den Stadt-Haushalt auf Spar-Reserven durchleuchtet haben. Und die Herner Kassenprüfer sind ja noch bei der Arbeit ...
Bei der Kirche kann man aber nicht länger warten. Seit mehr als einem Jahr warten Limberg und die Finanzverantwortlichen bei der Kirche schon auf eine Entscheidung der Stadt; eine Entscheidung, die mangels Geldreserven im Rathaus auf die lange Bank geschoben wurde – bis sie unter dem Druck drohender Kitaschließungen, von denen 154 Kinder betroffen wären, nun doch auf der Tagesordnung des Ausschusses landete. Auch Jugendamtsleiter Klaus Peveling hat laut Gesprächsprotokoll dafür plädiert, dass saniert wird. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass in St. Josef 18 Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige entstehen, was wiederum das Land bezuschussen will. Die Kirche verwies im Gespräch mit Büker und Bürgermeister Wolfgang Werner darauf, dass es jetzt fünf vor Zwölf sei. Ende 2012 müssen alle Baumaßnahmen in St. Josef abgeschlossen sein. Das steht so in Zuschuss-Bescheiden des Landes an die Kirche. Die Zukunft der Kindergärten steht darum Spitz’ auf Knopf. Trotz der Geldsorgen der Stadt, für die Pfarrer Limberg „Verständnis“ hat, wie er sagt, seien die Gespräche „konstruktiv“ gewesen: „Wir ziehen am selben Strang, zum Wohl der Kinder.“ In ihrem Schreiben an den Jugendhilfe-Ausschuss stellt sich die Stadtverwaltung jetzt auf den Standpunkt, dass die für überschuldete Städte eigentlich verbotene, freiwillige Ausgabe von 160 000 Euro von den staatlichen Schuldenwächtern wohl „geduldet“ werde. Denn eine Schließung der Kindergärten käme die Stadt am Ende noch teurer zu stehen. Die Stadt müsste in dem Fall selbst die Kindergärten übernehmen und sanieren oder neue bauen: ein Millionenprojekt. Trotz Sparzwangs 160 000 Euro ausgeben oder nicht: Der Ausschuss hat die Wahl. Wolfgang Werner empfiehlt: Zustimmen!

Text: Dattelner Morgenpost

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