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Erklärung aus Anlass der Berichterstattung zu einer möglichen Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses

Dr. Reinhard Lettmann im Jahr 2005 beim Gottesdienst aus Anlass seines 25-jährigen Amtsjubiläums als Bischof von Münster
Dr. Reinhard Lettmann im Jahr 2005 beim Gottesdienst aus Anlass seines 25-jährigen Amtsjubiläums als Bischof von Münster

In der vergangenen Woche wurde der Umgang der Pfarrei St. Amandus mit dem Andenken an den verstorbenen Bischof Dr. Reinhard Lettmann, der aus unserer Pfarrei stammt, in der Dattelner Morgenpost sowie auf Facebook in verschiedenen Berichten, Kommentaren und Leserbriefen thematisiert. Von zentraler Bedeutung war nahezu immer die Frage, ob das Reinhard-Lettmann-Haus, unser Pfarrheim an der St.-Amandus-Kirche, umbenannt werden soll.

Hintergrund hierfür ist, dass Reinhard Lettmann in seiner damaligen Funktion als Generalvikar damit befasst war, dass der Priester Heinz Pottbäcker, der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Missbrauchstaten gegenüber Kindern verurteilt worden war, innerhalb des Bistums Münsters mehrfach versetzt wurde und weiter als Seelsorger tätig war. An mindestens einem weiteren Einsatzort ist es erneut zu Missbrauchstaten durch Pottbäcker gekommen.

Die engagiert und teils hochemotional geführte öffentliche Diskussion gibt uns Anlass zu folgenden Erläuterungen:

  • Bestürzt und geschockt im Hinblick auf das Fehlverhalten von Reinhard Lettmann und dessen Folgen haben wir uns mit Blick auf die Opfer gefragt, wie wir mit dem Andenken an den in Datteln geborenen Bischof umgehen sollen.
  • Dass die Frage gestellt wird, wie die Pfarrei zur Namensgebung des Reinhard-Lettmann-Hauses steht, ist für uns nachvollziehbar. Auch wir fragen uns, ob eine Umbenennung erfolgen soll. Ebenso halten wir die konkrete Forderung, das Pfarrheim umzubenennen für vollkommen legitim. Es gibt jedoch auch Menschen, die hierzu eine andere Auffassung haben, die diese aber in diesen Tagen weniger deutlich oder überhaupt nicht äußern. Dies lässt sich auch der von der Dattelner Morgenpost gestarteten (nicht repräsentativen) Umfrage auf Facebook entnehmen, bei der immerhin 22 % der Umfrageteilnehmer für eine Beibehaltung des Namens gestimmt haben.
  • Ob eine Umbenennung des Reinhard-Lettmann-Hauses erfolgt, soll nicht vor, sondern nach einer inhaltlichen Auseinandersetzung entschieden werden. Diese Entscheidung soll nach derzeitigen Überlegungen nicht allein von dem formell zuständigen Kirchenvorstand getroffen werden, sondern unter Beteiligung der Gemeinde. Wie diese Beteiligung erfolgen soll, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Eine von manchen Stimmen geforderte „schnelle“ Umbenennung greift unseres Erachtens zu kurz. Eine bloße Umbenennung ohne eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre reine Symbolpolitik.
  • In den verantwortlichen Gremien der Pfarrei wurde nach Bekanntwerden dieser Vorgänge Ende 2018 ein intensiver Auseinandersetzungsprozess begonnen. Der möglicherweise in den vergangenen Tagen entstandene Eindruck, die Pfarrei St. Amandus sei untätig geblieben, ist nicht zutreffend. Nähere Angaben hierzu können Sie der Zusammenstellung der zeitlichen Abläufe (Anlage 2) entnehmen.
  • Es ist eine öffentliche Veranstaltung mit einem oder mehreren Referenten in Planung, bei der auch die Möglichkeit für Fragen gegeben werden soll. Zum jetzigen Zeitpunkt steht weder der genaue Tag fest, noch die Person des/der Referenten, noch das exakte Veranstaltungsformat, noch der genaue Titel der Veranstaltung. Entsprechend kann hierzu auch (noch) nichts Näheres mitgeteilt werden.
  • Dass Kinder und andere Schutzbedürftige sexuelle, körperliche oder auch psychische Gewalt erfahren, ist eine traurige gesellschaftliche Realität, der wir versuchen, in unserer Pfarrei sachgerecht zu begegnen. Es ist eines der zentralen Anliegen des Institutionellen Schutzkonzepts (ISK), das Bewusstsein hierfür bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in unserer Pfarrei mit Kindern zu tun haben, zu schärfen und ihnen Handlungsempfehlungen und Ansprechpartner für Verdachtsfälle an die Hand zu geben. Seit Ende 2017 wurde das ISK in unserer Pfarrei erarbeitet und am 14.02.2019 der – trotz der aktuellen Debatte leider nur sehr spärlich erschienenen – Öffentlichkeit vorgestellt. An der Erarbeitung waren Vertreter sämtlicher Gruppen und Einrichtungen unserer Pfarrei beteiligt, die Umgang mit Kindern haben (z.B. aus den Kindertagesstätten, von den Ferienfreizeiten und den Messdienern). Wir glauben, dass wir mit dem ISK einen wichtigen Schritt zum Schutz der uns anvertrauten Kinder unternommen haben. Der Volltext des ISK wird in Kürze auf der Homepage der Pfarrei veröffentlicht werden. Ein Informationsflyer für diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in unserer Pfarrei Umgang mit Kindern haben, wird derzeit erstellt.
  • Wenn Dritte, die Veranstaltungen in unseren Räumlichkeiten durchführen, z.B. die IGBCE Ortsgruppe Datteln ihre Jubilarehrung oder die Fa. Deilmann ihre Lesung von Frau Dunja Hayali, aufgrund der Namensgebung des Hauses ihre geplanten Veranstaltungen verlegen oder dies in Erwägung ziehen, so bedauern wird dies, werben jedoch – gerade auch mit den hier gegebenen Erläuterungen – um Verständnis für unsere Vorgehensweise.

Im Anhang dieser Erklärung finden Sie den bereits am 02./03.02.2019 im Wochenbrief und in der Kirchenzeitung „Kirche + Leben“ veröffentlichten Informationstext (Anlage 1) sowie eine Zusammenstellung der zeitlichen Abläufe (Anlage 2). (Die Anlagen finden Sie in der unten als Download angebotenen PDF-Datei.)

 

Für die zuständige Arbeitsgruppe:

Pfarrer Ludger Schneider

Dr. Sebastian Speckbrock

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