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Eine besondere Reise

Mittlerweile sind wir seit 14 Tagen wieder zurück in Datteln und langsam ist die Seele auch nachgekommen. Nun wird es Zeit für den zweiten Teil unseres Reiseberichts.

Nach einem ruhigen Gründonnerstagabend mit einem Gottesdienst, der sehr schlicht gestaltet war, mussten wir am Karfreitag früh raus. Wir wollten um 09.00 Uhr zum Kreuzweg in El Fortin sein und mittlerweile war uns klar: die vor uns liegenden 130 km würden sicherlich zwei bis drei Stunden Zeit benötigen.

Um kurz nach 09.00 Uhr erreichten wir das kleine Dorf 7 km abseits der Haupt-straße nach San Ramon und wurden auf dem Pfarrhof per Megaphon von den Jugendlichen empfangen. Sie hatten schon auf uns gewartet und es bot sich ein buntes Bild: Jungen, verkleidet als römische Soldaten, teilweise auf Pferden, weitere Jungen als Simon von Cyrene oder die mit Jesus verurteilte Schächer, Mädchen in Gewändern als Veronika oder weinende Frauen hatten sich versammelt, um das Geschehen um Leiden und Sterben Jesu lebendig werden zu lassen. Mitten in der Gruppe der Jugendlichen ein junger Mann, der ein großes Holzkreuz auf seinen Schultern trägt.
Zunächst irritiert uns die geringe Zahl der mitbetenden Gemeindemitglieder. Doch das änderte sich im Verlauf der nächsten Stunden deutlich – bei den letzten Kreuzwegstationen war das ganze Dorf auf den Beinen.
Unter Begleitung des Pfarrers Padre Pedro ging es von der Kirche zunächst am Dorfplatz vorbei zur ersten Station. Schon jetzt um halb Zehn knallte die Sonne unbarmherzig auf die Kreuzwegprozession und schattenspendende Bäume gab es eher selten. Mit großem schauspielerischen Talent zeigten die Jugendlichen eindrucksvoll die Szenen aus der Leidensgeschichte. Unter den römischen Soldaten konnten wir Gabriel entdecken, auch Daniela und Kelly hatten wir schon gesehen und viele Menschen grüßten uns freundlich, wohl wissend wer wir sind.
Ergreifend wurde die Kreuzigungsszene mit lauten Hammerschlägen auf das Kreuz und viel blutroter Farbe dargestellt, alle Jugendlichen waren mit großem Engagement und Herzblut dabei.

Nach dem abschließenden Segen waren wir aufgrund der brütenden Hitze allerdings froh, im Hof des Pfarrhauses etwas Kühles zu trinken und uns zu erfrischen. Der nächste Termin auf unserem Tagesprogramm nahte allerdings schnell: die von uns unterstützten Studentinnen, ihre Familien und einige andere Jugendliche hatten einen „kleinen Imbiss“ für uns vorbereitet. Trotz des Karfreitags hatten unsere Gastgeber Spezialitäten aus Reis- und Maismehl gebacken und kleine Teigtaschen mit Käsefüllung (Empanadas) vorbereitet.

Während des Essens tauschten wir uns aus – trotz aller Sprachbarrieren war es ein lebendiger Nachmittag. Die mitgebrachten Geschenke wurden überreicht und auch wir erhielten Geschenke von unseren Gastgebern. Später besichtigten wir noch das Krankenhaus und die Nähschule des Dorfes. Die Männer unserer kleinen Gruppe erwarben dort Leinenhemden, die mit den typischen Mustern der bäuerlichen Bevölkerung des bolivianischen Tieflandes handbemalt wurden.

In der traditionellen Karfreitagsliturgie mit der Kreuzverehrung überreichten wir Padre Pedro die Osterkerze, die wir aus St. Amandus mitgebracht hatten. Gegen 17.00 Uhr ging es zurück nach Santa Cruz. Auf dem Weg dorthin hatte eines unserer Fahrzeuge eine Reifenpanne und die drei Fahrzeuginsassen wurden vom Fahrer in einen der übervollen Mikrobusse gesetzt, der sie bis zum nächsten Ort brachte. Die abendliche Karfreitagsprozession dort blockierte die Straßen und die Suche nach einem Taxi gestaltete sich schwieriger als gedacht. Nachdem jedoch ein Taxi gefunden war, ging es sicher und schnell zurück nach Santa Cruz.

Der Karsamstag war ein Tag echter Grabesruhe – wir hatten kein Programm und verbrachten den Tag im Kloster San Antonio mit viel Stille und einigen Vorbereitungen für den geplanten Ausflug ins Hochland von Bolivien.
Die Osternacht feierten wir in der Klostergemeinde San Antonio und erlebten bei aller Einfachheit ein Gloria das heute noch die Ohren klingeln lässt: Das Keyboard wurde bis zum Anschlag hochgefahren und auch die Gitarrenverstärker hatten keinerlei Spielraum nach oben. Musikalisch war die Darbietung sicher keine Glanzleistung, die Lebensfreude jedoch und die Freude über die Auferstehung, die durch die Musik hindurch strahlten, waren ansteckend und begeisternd.

Der weitere Verlauf der Nacht wurde vor allem von einer evangelikalen Kirche geprägt, die im Sportstadion gegenüber dem Kloster ihr Osterfest feierten und bis in den Morgen hinein immer wieder die Auferstehung Jesu mit Jubelrufen über die Beschallungsanlage des Stadions verkündeten. Die Evangelisationsbewegung verschiedener christlicher Gruppen bereitet der katholischen Kirche in Bolivien immer mehr Probleme.
Von Ostermontag, der in Bolivien kein Feiertag ist, bis zum darauffolgenden Donnerstag verbrachten wir einige Tage in La Paz und – anders als geplant – am Titicacasee. Unser ursprüngliches Ziel, die Salzwüste um Uyuni, konnten wir leider aufgrund von Streikblockaden der Minenarbeiter nicht besuchen. Doch auch La Paz und der See beeindruckten uns, auch wenn die Höhenlage (zwischen 3.500 und 4.300 m ü.NN.) uns sehr zu schaffen machte. Die Temperaturen jedoch waren im Hochland wesentlich erträglicher: nicht mehr 30 – 35°C sondern tagsüber so um 15°C und nachts fiel das Thermometer sogar auf um 0°C.

Die letzten Tage verbrachten wir noch einmal in Santa Cruz, trafen viele unserer Freunde, um uns von ihnen und von Bolivien zu verabschieden.

Die Strapazen der Reise sind nun vergessen, es bleiben tolle Erinnerungen: an liebe Menschen, an witzige Situationen, an ein Sprachenwirrwarr und an viele Augenblicke, die diese Reise so besonders gemacht haben.
Darüber hinaus bleibt der feste Blick auf das Schülerinnenwohnheim in Puerto Rico, das dort in der neuen Pfarrei Vierzehnheiligen errichtet werden soll, und das wir finanz- und tatkräftig unterstützen möchten.
Und letztendlich bleibt die Hoffnung, dass wir viele der liebgewonnenen Men-schen bald wiedersehen werden.

Teil 1

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