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Weihnachtskonzert der AmandusMusik

Das durch und durch als typisch französische Musik zu bezeichnende „Oratorio de Noel“ op. 12 von Camille Saint-Saens steht am Beginn des Konzertes. Elegante Melodik und eine noble, reizvolle Harmonik zeichnen dieses Werk des jungen Saint-Saens aus. Ganz anders als bei Bachs „Weihnachtsoratorium“, wo Pauken und Trompeten die überbordende Freude über die Geburt Jesu ins klangliche Bild setzen, benutzt Saint-Saens in seinem Oratorium eine verhaltene, lyrische Klangsprache. Dieser Charakter spiegelt sich auch in der Besetzung wider: Streicher, Harfe und Orgel – eine geradezu kammermusikalische Besetzung. Einzig die Zahl der Solisten ist opulent: Saint-Saens schreibt hier 5 Solostimmen vor.

Als zweites Werk des Abends steht die „Fantaisie“ op. 95 für Harfe solo vom gleichen Komponisten auf dem Programm. Ein hochromantisches Klanggemälde für das von Saint-Saens sehr geschätzte und im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts populäre Instrument.

Das „Otcenas“ ist die östliche, tschechische Antwort auf die Musiksprache unserer westlichen, französischen Nachbarn. Janacek ist sicherlich nicht als religiöser Komponist im engeren Sinne zu bezeichnen. Er war ein sehr kritischer und eigenständiger Geist und hat Zeit seines Lebens gegen nationale und soziale Ungerechtigkeit gekämpft. Die Vorlage für sein Vaterunser lieferte der polnische Maler Krzesz. In acht Szenen malte er in freier Assoziation - jedoch sehr christologisch - seine Sicht auf das Vater unser. Die Bilder sind fast durchweg im einfachen und bäuerlichen Leben der Menschen dieser Zeit angesiedelt. Das war es wohl, was Janacek animierte und ihn den Focus auf die soziale Sprengkraft des Gebetes legen ließ. In der Melodik des Werkes ist der Einfluss des mährischen Volksliedes deutlich zu spüren und der gesamte melodische Fluss ist den Singstimmen übertragen, während sich Harfe und Orgel um die intensive stimmungsbildende Harmonik kümmern. Trotz der auch hier quasi kammermusikalischen Besetzung gibt es sehr eruptive Momente, z.B. der Schrei nach Brot (Chleb) – das ist keine Bitte mehr. Und auch das Ende … und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen … ist kein Flehen oder Bitten, sondern ein lauter Aufschrei gegen die sehr irdische Ungerechtigkeit des sozialen Systems. 

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